Innovation und Tradition verschmelzen - 3

Hochschule Geisenheim University

Weinanbau, Oenologie und Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim

Dresdnerin hat vom guten Ruf der Geisenheimer Hochschule im australischen Adelaide gehört. Dort ist sie Doktorandin am Institut für Mikrobiologie und untersucht aktuell den Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und der chemischen Komponente Trimethyl-Dihydronaphthalin, kurz TDN, die ein Fehlaroma im Riesling verursacht. Genauer gesagt: Der Wein riecht und schmeckt nach Kerosin. “Ich versuche herauszufinden, ob man Vorhersagen treffen und eventuell bei der Weinherstellung Gegenmaßnahmen ergreifen kann”, erläutert sie ihre Arbeit. Nicht nur heute ist das Studium “Weinbau, Oenologie und Weinwirtschaft” für sie keine Kopf-, sondern Knochenarbeit. “Für meine Forschung war ich über drei Monate jeden Tag von morgens bis abends im Weinberg. Egal ob Sonne oder Regen. Ich holte Proben untersuchte sie im Labor, kam wieder zurück”. Die Möglichkeit praktisch zu arbeiten und Experimente durchzuführen, ist ein Grund, warum sie es nicht bereut Australien zurückgelassen zu haben. Wie eine kleine Rebellion gegen die Geisenheimer Weinkompetenz wirkt es trotzdem, dass Yevgeniyes Grebneves Lieblingswein eben kein Riesling, sondern ein australischer Shiraz ist.
 
Während die Doktorandin weiter Trauben in die Presse füllt, sind ihre Kommilitonen Khalil Bou Nader und Victor Codea bereits mit der Analyse gelagerter Weine beschäftigt. Im Holzfasskeller, in welchem bis zu 50.000 Liter Wein in großen und kleinen Fässern gelagert werden, nehmen sie Proben für eine spätere Verkostung. Auf dem Boden stehen Pfützen, die von ausgespülten Tanks stammen. Die feuchte Luft riecht süß-säuerlich nach gärendem Most. Hier im Holzfasskeller findet man alle großen Namen der deutschen und internationalen Weinwirtschaft. Die Alumni pflegen seit Jahrzehnten den Brauch einen Fassboden schnitzen zu lassen. Dabei griff nicht jeder Absolventen-Jahrgang ein fachspezifisches Thema  auf, sondern auch die Wiedervereinigung Deutschlands oder die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge finden sich hier verewigt.

Khalil Bou Nader und Victor Codea bringen ihre Probe ins Sensorikseminar. Es gibt einen großen Tisch und Einzelplätze, die mit Sichtbarrieren voneinander getrennt und mit kleinen Wasserbecken ausgestattet sind. An einem sitzt Pietro Previtoli. Nach der Analyse von Farbe und Geruch, nimmt er einen Schluck und schwenkt den Wein im Mund. Es sieht fast so aus als würde er ihn kauen. “Meine Lieblingstraube ist Nebbiolo. Sie ist wie ein Rennpferd - nicht einfach zu kontrollieren”.

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