Zwischen Stall und Weide - GreenDairy - 1

Zum Thema
01_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-43-web
02_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-12-web
03_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-14-web
4_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-47-web
5_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-2-web
6_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-22-web
7_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-8-web
8_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-16-web
9_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-19-web
10_hessen-schafft-wissen-green-diary@steffen-boettcher-38-web
    © Steffen Böttcher
    Justus-Liebig-Universität Gießen Zwischen Stall und Weide - GreenDairy

    Wir sind beeindruckt von dem Areal. Die Kühe entscheiden hier selbst, ob sie auf die Weide gehen wollen oder lieber im Kuhstall bleiben. „Das, was wir hier sehen - einen offenen und großzügigen Kuhstall mit viel Weideflächen ringsherum - ist leider nicht mehr der Standard in der Milchviehhaltung“, erzählt Lutz Breuer, Professor für Landschafts-, Wasser- und Stoffhaushalt. „Viele Milchviehbetriebe haben zwar einen Kuhstall aber keine Weidefläche mehr.” Das mag auf den ersten Blick in die Bücher zwar wirtschaftlicher aussehen, doch scheint es zwischen Stall und Weide wichtige Zusammenhänge zu geben, die überhaupt noch nicht wissenschaftlich untersucht wurden. “Alles, was wir über die Zusammenhänge wissen, ist eher anekdotisch über Generationen weitergegeben worden.” erfahren wir. Wissenschaftliche Untersuchungen in vielen Bereichen der Milchviehhaltung sind noch gar nicht getätigt worden. Und genau dafür steht der Gladbacherhof. “Mittlerweile ist unser Hof europaweit ein Leuchtturmbetrieb für ökologische Landwirtschaft.“ erzählt uns Prof. Dr. Andreas Gattinger, nicht ohne Stolz. Er ist Leiter der Professur für Ökologischen Landbau und hat bereits zu Themen, wie Produktivität und Klimawandel, Ökosystemdienstleistungen und Tierwohl oder ökologische Lebensmittel- und Bewirtschaftungssysteme geforscht.

    Was macht den Gladbacherhof denn so besonders? Unter anderem ist hier das LOEWE-geförderte Projekt GreenDairy angesiedelt, für das im Sommer 2022 ein neuer Forschungsstall in Betrieb genommen wurde. Hier werden sowohl ökologisch als auch ökonomisch nachhaltige Tier-Pflanzen-Agrarsysteme entwickelt und erforscht. Ziel ist es, eine nachhaltigere Form der ökologischen Landwirtschaft zu untersuchen und ertragreich zu machen. Dabei stehen sowohl das Tierwohl als auch die Nachhaltigkeit im Vordergrund. „Die Wertschöpfungskette Milch muss ganzheitlich betrachtet werden“, betont Prof. Gattinger. So soll, vereinfacht gesprochen, das Gras, das die Kühe fressen, am Ende wieder als Dünger auf der eigenen Weide oder dem Acker landen.

    Prof. Gattinger ist der Leiter des GreenDairy-Projektes, und es ist ihm wichtig, die Forschung eng mit der Praxis zu verknüpfen. Denn der Gladbacherhof ist nicht nur ein innovatives Forschungszentrum, sondern auch eingebunden in die genossenschaftliche Upländer Bauernmolkerei e. G., an das er seine Milch liefert. Und dann gibt es auch noch diesen schönen Hofladen, in dem eigene Produkte wie Getreide, Kartoffeln, Eier, Suppenhühner, Rindfleisch oder Apfelsaft verkauft werden. „Die Agrarwissenschaften sind ein sehr praktisches Studium“, betont auch Prof. Breuer. Und bei GreenDairy lernen die Studierenden nicht nur die Theorie, sondern vor Ort im Stall und auf dem Feld die Praxis kennen. „Durch die Forschungsplattform GreenDairy hat die Strahlkraft unseres Fachs auf die Studierenden definitiv zugenommen“, freut sich Prof. Gattinger. Und das ist gut, denn die Landwirtschaft der Zukunft wird hier gemacht.

    3D