Emotionen und Affekt - Konflikt- und Friedensforschung - 3

Philipps-Universität Marburg

Um am Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg seinen Master zu machen, muss man einiges mitbringen: „Unsere Studies sind politisch interessiert, weltoffen, haben tolle Social Skills, sie sind fleißig“, beschreibt Frau Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel, geschäftsführende Direktorin des Zentrums. Neben guten Noten sind unter anderen relevante Praxiserfahrungen und Auslandsaufenthalten erwünscht. Lea Otremba und Laura Kotzur, beide im fünften Semester, bringen das alles mit. Damit passen sie voll und ganz ins Profil des Fachs: „Die Besonderheit des Marburger Studiengangs ist, dass er interdisziplinär aufgestellt ist. Das heißt, dass man davor nicht nur Politikwissenschaft oder Internationale Beziehungen studiert haben muss, sondern auch mit anderen akademischen Hintergründen reinkommt“, ist Lea Otremba begeistert. Laura Kotzur ergänzt: „Die Besonderheit ist auch, dass das Studium hier sehr frei konzipiert ist und man einen eigenen Schwerpunkt legen kann. Das erfordert auch viel Eigenengagement, aber es eröffnet auch sehr viele Möglichkeiten.“ Das kommt den beiden engagierten Studentinnen sehr entgegen, die auch politisch und kulturell aktiv sind. „Ich glaube nicht, dass ich in die klassische Politik will, aber ich will auf einer zivilgesellschaftlichen Ebene politisch wirken“, sagt Laura. Lea sieht das genau so.

Wie verträgt sich denn politischer Aktivismus mit Wissenschaft? „Marburg eilt ein Ruf voraus, weil das Zentrum auch eine politische Tradition hat“, erzählt Laura Kotzur. „Es ist nicht darauf ausgelegt, dass man später unkritisch in die ganzen großen Organisationen wie ins Auswärtige Amt oder in die UNO geht, sondern mit kritischer Reflexion und politischer Einstellung!“ Davon wird die wissenschaftliche Arbeit allerdings nicht beeinträchtig: „Das Studium ist natürlich politisch neutral! Das versucht Wissenschaft ja auch, und im Lehrangebot spiegelt sich das auch wider“, bekräftigt sie. „Aber vor allem in der Studierendenschaft gibt es ein sehr großes Bedürfnis, sich politisch einzubringen und Wissenschaft auch so zu sehen.“ Mit diesem studentischen Engagement finden auch tagespolitische Geschehen ihren Weg in das Studium und ergänzen so Seminaren in denen es eher um Grundlagen und Theorien geht. „Das macht wirklich wieder diesen Studiengang aus“, schwärmt Laura. „Wir beschäftigen uns privat viel mit aktuellen Themen. Die Betrachtung vor allem auch des lokalen Kontextes ist uns wichtig.“

Und wie wirkt sich so ein Studium aus? Vor allem lernt man, Konflikte im eigenen Leben wie auch international kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen. Dies gilt auch in der Erinnerungskultur, zum Beispiel aktuell beim Stürzen von Statuen in den USA oder Großbritannien, die auf die koloniale Vergangenheit der Staaten verweisen. Ist das eine legitime Aktion oder der Versuch, eine Geschichte umzuschreiben? „Ob Sturz oder Gegendenkmal oder Plakette, das sind einfach verschiedene Umgehensweisen“, überlegt Lea Otremba. „Unsere europäische Gesellschaft ist immer noch stark von kolonialen Kontinuitäten geprägt, die sich nicht nur in Denkmälern spiegeln, sondern auch in ganz vielen Lebensbereichen. Und ich finde, dass es von daher auch in Ordnung ist, wenn eine bestimmte Statue jetzt nicht mehr steht.“ Dadurch, betont sie, entsteht keine komplette Geschichtsumschreibung oder Umdeutung. „Das Wichtige ist vielmehr, dass eine Debatte über das Erinnern entsteht. So ein Konflikt kann auch sehr konstruktive Formen annehmen: Indem darüber nachgedacht werden muss, wie ich eigentlich erinnere und warum und welche Perspektiven ich damit ausschließe“, erklärt sie weiter. „Schon alleine, um ein Bewusstsein für legitimes und nicht-legitimes Erinnerungen zu entwickeln, ist der Konflikt sinnvoll.“ Und dann muss man sich die Frage zu stellen: Wie machen wir weiter? Und da gibt es nicht nur eine Lösung!

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