Emotionen und Affekt - Konflikt- und Friedensforschung - 2

Philipps-Universität Marburg

Die Arbeit am Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg ist heute notwendiger denn je. Doch dabei geht es nicht nur um die Beobachtung aktueller politischer Konflikte und unterschiedlicher Gewaltformen. Auch die Erinnerungskultur ist Teil der Konflikt- und Friedensforschung an der Philipps-Universität Marburg. Vom Zentrum für Konfliktforschung aus, an dem Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel zusammen mit Kolleginnen und Kollegen forscht und lehrt, führt ein Exkurs mit Studierenden nach Frankfurt am Main, wo wir sie an der neuen Holocaust-Gedenkstätte Großmarkthalle treffen. Was führt sie hierher? „Wir interessieren uns vor allem dafür, wie man Gedenken auf eine neue und weniger autoritäre Art anstößt.“ Denn Gedenken ist nicht nur reine Rückschau, sondern manifestiert sich auch in aktuellen Konflikten. Der Blick in die Vergangenheit macht sich aber nicht nur an Gedenkstätten fest. „Aktuell interessieren wir uns auch sehr für postkoloniale Perspektiven und wie Kolonialismus erinnert wird“, erzählt sie, denn die europäische Geschichte ist auch eine des Kolonialismus.

Es ist ein weites Feld, das die Friedens- und Konfliktforschung in Marburg abdeckt. So sind in einem Bachelorseminar die Themen, über die die Studierenden Präsentationen halten müssen, sehr aktuell: Klimaabkommen, NSU-Prozess, Libyen, Black Lives Matter … „Durch die Lehre haben wir die Möglichkeit, Akzente zu setzen, damit sich die Studierenden mit Themen wie Klima oder Rassismus auseinandersetzen und so aktuelle Ereignisse besser einschätzen können.“ Es geht also nicht nur um empirische Forschung über Konflikte. 

Prof. Buckley-Zistel möchte also durchaus etwas bewirken mit ihrer Forschung. Doch darf Wissenschaft politisch sein? „Das ist eine spannende Frage, die immer wieder diskutiert werden muss, was wir auch tun. Forschen wir für den Frieden oder forschen wir über den Frieden?“

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, und das soll sie auch gar nicht sein. Schließlich gibt die Wissenschaft nicht nur Antworten, sondern stellt auch Fragen. Und das schon seit 20 Jahren, denn so lange gibt es das Zentrum für Konfliktforschung schon. Zunächst konnte man das Fach als Nebenfach studieren und kann dies auch heute noch in Verbindung mit vielen Bachelor-Studiengängen wie Politikwissenschaft, Soziologie oder Psychologie. „Unser Bachelor-Nebenfachangebot ist sehr umfassend“, erklärt Buckley-Zistel. Vor 15 Jahren wurde in Marburg ein Master in Friedens- und Konfliktforschung eingeführt, inzwischen gibt es einen zweiten in Kombination mit einer britischen Universität. Es herrschen keine Nachwuchsprobleme: „Pro Jahr haben wir 200 bis 300 Bewerbungen auf 35 Studienplätze“, berichtet Buckley-Zistel erfreut. Die Studierenden im Masterstudiengang kommen aus allen möglichen Bereichen: „Wir haben Studierende aus der Politikwissenschaft, der Soziologie, der Psychologie, der Geschichtswissenschaft – aber auch gern andere!“ Wenn man so viel Auswahl hat, wie wählt man Studierenden da aus? „Wir haben festgelegte, transparente Kriterien. Noten spielen eine Rolle, und wir schauen auch nach einem bestimmten Profil und relevanten Erfahrungen. Unsere Studies sind politisch interessiert, weltoffen, haben tolle Social Skills, sie sind fleißig …“ Sie lacht: „Unsere Studis sind toll!“

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