Von Darmstadt über den Atlantik - 3

Technische Universität Darmstadt

Um von Darmstadt über den Atlantik zu segeln, braucht es einiges an Technik und eine lange Vorbereitungszeit. Vor allem, wenn das Boot komplett autonom und ohne jede menschliche Hilfe sein Ziel erreichen soll. Dies ist immerhin die Anforderung sowohl der Microtransat Challenge als auch des World Robotic Sailing Championship. An beiden nimmt das Sailing Team regelmäßig teil und stellt sich damit internationaler Konkurrenz. 

Vor bereits zehn Jahren wurde das Sailing Team Darmstadt e. V. gegründet, damals noch mit komplett anderen Leuten. Und seither hat sich viel getan: „Anfangs sollte alles sehr modular sein, aber das wurde sehr komplex und aufwändig“, erzählt uns Elektrotechniker Niko Faul, der seit 2014 im Team ist. Aber jetzt wird jeder Motor doch einzeln angesteuert: „Wir wollten das dann doch nicht gleich so aufm High-Level machen, sondern eher konkret für die Anforderungen.“ Und die sind nicht ohne auf dem Atlantik: Wetterdaten müssen ausgelesen und interpretiert, Segel müssen gesetzt und bei Sturm wieder eingeholt werden. Dabei dürfen sich die Seile nicht verheddern, das Ruder darf nicht klemmen, und am Ende soll das Boot ja auch am Stück in Übersee ankommen. 

Die Herausforderungen gibt es aber nicht nur auf dem Ozean, sondern auch im Team selbst. Denn nicht nur das Boot ist autonom, sondern auch der Verein, der unabhängig von der Universität arbeitet und sich so um alle Aufgaben selbst kümmern muss, vom Sponsoring über die Mitgliederanwerbung bis hin zur Koordination der verschiedenen Fachgebiete: „Anfangs war es schwierig zu entscheiden, was wir an Elektronik brauchen, weil auf der mechanischen Seite teilweise noch nicht klar war, welche Faktoren es gibt“, erzählt uns Niko Faul. Doch Felix Divo, Informatiker und 1. Vorsitzender des Vereins, gibt Entwarnung: „Von mechanischer Seite ist das Ganze sehr weit.“ Aber: „Dieses Boot wird so nicht wegsegeln können. Da fehlen schon noch ein paar Dinge.“ Und an denen wird unter Hochdruck gearbeitet.

Wobei „Hochdruck“ zu negativ klingt: „Als erstes richtig kleines Boot von Europa zu segeln, schneller zu sein als der davor, oder um die Welt, das sind Sachen, die noch nicht geschafft wurden. Ich glaube, das ist das, was die Leute antreibt“, zeigt sich Felix Divo begeistert von diesem Projekt. Er blickt auch zuversichtlich in die Zukunft: „Letztlich geht es um eine Methodik, das System soll ja adaptierbar sein für alle möglichen Projekte.“ Das Team hat sich hier auch drei Schwerpunkte gesetzt: Sport, etwas Langlebiges wie eine Forschungssonde und den autonomen Warentransport. Tilman Frölich ist gespannt: „Anhand der drei Ziele haben wir im Team verschiedene Konzepte ausgearbeitet. Mal sehen, ob die Gedanken, die wir uns jetzt machen, von den zukünftigen Generationen auch angenommen werden und was die dann daraus machen.“

Aber wie kommt man eigentlich in Darmstadt dazu, ein Segelboot zu bauen? Felix Divo lacht: „Ich mein’, da saß halt jemand am Strand und hat gesagt: Hey, wär’s nicht cool, wenn da jetzt so ein Boot kommt und mir ’ne Cola bringt.“ Und so wird aus einer Urlaubsidee ein ambitioniertes und überaus erfolgreiches Projekt für viele Generationen Studierender, das auf den Weltrekord der ersten unbemannten, autonomen Atlantiküberquerung eines Segelbootes zusteuert!

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