Gießtechnikum Metakushalle - 2

Universität Kassel

Das Fachgebiet Gießereitechnik, Teil des Maschinenbaus der Kasseler Universität, richtet seinen Blick fest nach vorne. Magnesium gilt hier aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften und guten Umweltbilanz als Werkstoff mit Zukunft. Das ist interessant für die neue, ökologische Mobilität. „Elon Musk baut gerade ein komplettes neues Fahrzeugwerk für E-Mobilität in Brandenburg, inklusive neuer Gießerei“, ist Prof. Dr. Martin Fehlbier begeistert. „Er hat erkannt, dass Strukturgussteile aus Leichtbauwerkstoffen in der Lage sind, bis zu 70 Einzelteile zu substituieren!“ Diese Einzelteile will Musk mit relativ großen Maschinen durch ein einziges Gussteil ersetzen. „Dadurch gelingt es ihm auch, bis zu 30 % seiner Produktionsfläche einzusparen.“ 

Um sich eines solchen zukunftsträchtigen Verfahrens bedienen zu können und die Studierenden entsprechend auszubilden, hat man sich am Fachgebiet für Gießereitechnik GTK der Universität Kassel (in der Gießerei Baunatal) für die Anschaffung einer Thixomolding-Maschine entschieden, welche Magnesium in einem speziellen Guss-Verfahren verarbeiten kann. „Thixomolding ist ein Sonderverfahren zum Spritzgießen von Magnesiumlegierungen, um Leichtbauteile aus Magnesium herstellen zu können“, erklärt Dr. Philipp Ochotta von Yizumi Germany, der Herstellerfirma der Thixomolding-Maschine. „Das ist besonders energieeffizient. Normalerweise liefern wir Maschinen in dieser Größe nach dem Test im Werk in China eigentlich komplett demontiert aus.“, erzählt Philipp Ochotta. „Vor Ort müsste dann alles ausgeladen und komplett neu montiert, eingelevelt, nivelliert und aufgebaut werden. Das ist relativ zeitaufwändig.“ Darum wurde dieses Mal entschieden: „Wir machen das diesmal anders. Wir möchten gern testen, ob wir die Maschine in größeren, bereits vormontierten Sequenzen verschiffen und aufbauen können. Damit sparen wir entsprechend viel Zeit und erleichtern den Monteuren nachher die Arbeit.“

Die Anlieferung und der Aufbau der Maschine gestaltet sich dann doch schwieriger als vermutet, denn der in der Hallendecke verbaute Schwerlastkran erweist sich als zu schwach um die Maschine an ihren Platz in der Halle zu transportieren. Mit riesigen Gabelstaplern, viel Geduld und allerhand technischem Gewerk, gelingt es den Mitarbeitern von Yizumi dann doch an insgesamt zwei Tagen, die Maschine an ihren Platz zu bringen.

Was für die Hersteller ein Versuch ist, zeiteffizienter zu verschiffen, ist für Prof. Dr. Fehlbier, dem Inhaber des Lehrstuhls für Gießereitechnik, zukunftsweisend für die ganze Gesellschaft: „Im Bereich der E-Mobilität und der urbanen Mobilität sind Leichtmetallanwendungen aus Magnesium für innovative Automotive- und Elektronikprodukte/E-Bikes, aber natürlich auch für den großen Bereich der leichten Handwerkergeräte zunehmend gefragt.“ Und Magnesium ist im Bereich Gießerei ein spannender Werkstoff mit sehr guten Verarbeitungseigenschaften. „Magnesium ist der leichteste metallische Konstruktionswerkstoff überhaupt.“ Die Verarbeitung im Thixomolding hat einen wesentlich geringeren Energieverbrauch zur Folge und weist gleichzeitig wesentlich bessere mechanische Bauteileigenschaften als herkömmliche Verfahren. Und es ist zu 100 % recyclebar. Außerdem hat es in der Herstellung einen unschlagbaren Vorteil: „Magnesium ist auch ein Abfallprodukt aus Meerwasserentsalzungsanlagen und damit wird ein Kreislauf geschlossen: Was andere entsorgen, kann hier als Werkstoff eingesetzt werden!“ 

Ein Recyclingprodukt, das ideale Bedingungen für eine leichte, umweltfreundliche Produktion mitbringt. „Viele in Europa strecken sich gerade danach aus“, weiß Fehlbier. „Und dass Elon Musk für seine neue Gießerei in Brandenburg trommelt, ist ein Signal dafür, dass es für gegossene Leichtbauanwendungen für die E-Mobilität auf höchstem Niveau weitergeht, natürlich mit der Unterstützung deutschen Ingenieur Know-hows!“

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