Besser als jeder Netflix Abend - die Science Night - 2

Universität Kassel

Die Informatikerin Marie Ossenkopf forscht in einem Feld, für das die Science Night an der Universität Kassel wie geschaffen ist. Ins Leben gerufen wurde diese Wissenschaftsnacht von der Communication School, in der Forscher*innen in einem einwöchigen Workshop lernen, ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit nahezubringen. Und diesen schönen Abschluss gab es auch 2020 – wenn auch Corona-bedingt diesmal nur im Internet. Für die Besucher*innen wartet hier aber dennoch wie gewohnt ein breites Spektrum an Themen, an Mitmach-Aktivitäten und an spannenden Vorträgen. Es geht unter anderem um die Reduktion unseres CO2-Fußabdrucks, um Online-Kaufentscheidungen, um Heldenkult bei der Bundeswehr oder um die Immunantwort der Bakterien. Und es geht um Maries Forschung: Roboter, die lernen, miteinander zu reden!

Marie ist PhD-Studentin im Bereich Distributed Systems – Verteilte Systeme im Fachbereich Elektrotechnik/Informatik an der Uni Kassel. „Bei mir sind das zunächst einmal kleine Pünktchen, die in einer Simulation herumlaufen und versuchen, etwas zu schaffen, was sie nur gemeinsam und nicht alleine schaffen können. Sie sollen lernen zu kooperieren und miteinander zu kommunizieren.“

Ihr Weg in die Informatik führte sie dabei über den Umweg des Maschinenbaus. „Ich hatte das Gefühl, die Roboter, die die Maschinenbauer einsetzen, sind nicht klug genug.“ Das war Grund genug für sie ihren Doktor in Informatik zu machen. Seit vier Jahren promoviert sie nun im Fachgebiet Verteilte Systeme, und weil es hier darum geht, wie mehrere Systeme miteinander interagieren, ist ihr Forschungsthema: „Wie können Roboter selber lernen zu kooperieren? Können sie gemeinsam eine Intelligenz entwickeln?“ Dabei muss man keine Angst haben, dass die Künstliche Intelligenz eines Tages die Weltherrschaft übernehmen: „Vieles, was gelernte Systeme tun, sieht schon ziemlich intelligent aus“, lacht Marie. „Aber davon, dass wir eine generelle, menschenähnliche Intelligenz haben, sind wir noch unglaublich weit entfernt.“ Zumindest der Roboter bei ihr im Labor, der eigentlich Kaffee bringen soll, kann die Kaffeemaschine selbst noch lange nicht bedienen.

Wie ist Marie eigentlich zur Informatik gekommen? „Ich wusste eigentlich schon mit zwölf Jahren, dass ich Roboterforscherin werden will“, erzählt sie begeistert. „Damals habe ich eine Dokumentation über Brain-Machine-Interfaces gesehen, in der ein Schimpanse gelernt hat, eine intelligente Prothese mit dem Gehirn zu steuern. Das war faszinierend.“ Auch Kai Liebscher kam schon als Kind zur Informatik. „Ich habe mit zehn angefangen, mir selbst Webseitenprogrammierung beizubringen. Er lacht: „Die Frage war nicht mehr, ob ich Informatik studiere, sondern nur noch wo.“ Der Liebe wegen kam er nach Kassel, wo er nach wenigen Jahren Studium als Softwareentwickler in einem Unternehmen gelandet ist – „sozusagen auf der Überholspur“. 

„Die Robotik ist ein guter Grund, um hier an der Uni Kassel zu sein“, schwärmt Kai, der seine Bachelorarbeit berufsbegleitend schreibt. „Wir sind ein interdisziplinäres Team: Informatiker, dann Elektrotechniker, Maschinenbauer. Es hat ein enormes Potenzial, wenn so viele Leute aus unterschiedlichen Feldern zusammenkommen.

Nicht nur die Roboter lernen in der Informatik an der Universität Kassel, miteinander zu reden. Auch die Studierenden untereinander und auch in universitätsübergreifenden Kooperationen. Und sei es nur am Tischkicker, der hier herumsteht. Ist der auch eine künstliche Intelligenz? Marie lacht: „Nein, der ist zum Gehirndurchlüften!“

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