Virologie in Marburg - 3

Philipps-Universität Marburg

In Südostasien bricht ein Virus aus. Niemand weiß so genau, wo es herkommt, nur, dass es sich rasend schnell verbreitet. Kommt es von einem Flughund? Kommt es von einer Meerkatze? Sicher ist nur: Es kann tödlich sein. Jetzt ist es an den Virologen. Sie müssen die Diagnostik machen, Informationen über die Hintergründe des Ausbruchs herausfinden, sie müssen die Meldungen in den Medien verstehen und die Zahlen richtig interpretieren. Und dann muss schnell gehandelt werden, um einen Impfstoff und Medikamente für bereits Infizierte zu entwickeln.

Was 2020 mit der COVID-19-Pandemie traurige Wirklichkeit wurde, daran forschen die Virologen unter Prof. Dr. Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg, schon seit Jahren. 2012 stellten sie sich die Frage, wie sie ihre Arbeit der Bevölkerung in Marburg näherbringen können. Das ist deshalb wichtig, weil im BSL-4-Labor, dem Hochsicherheitslabor am Institut, mit hochpathogenen Viren gearbeitet wird: mit Ebola, dem Marburg-Virus oder mit SARS. Deshalb sind die Forscher und Forscherinnen auf die Unterstützung der Bevölkerung angewiesen: „Man kann so ein Labor nicht betreiben, wenn die Bevölkerung dagegen ist.“

2013 startete diese Aufklärungskampagne mit einem kleinen Projekt für Schüler. Hier wurde die Frage gestellt, was ein Virologe eigentlich macht, wenn es zu einem Ausbruch kommt. Dafür wurde die sogenannte Marphili-Simulation entwickelt. Ein Marburger Leistungskurs Biologie spielt hier in einer Simulation den Ausbruch einer viralen Epidemie durch, die in Südostasien ausbricht und sich weltweit verbreitet. „Genau das, was wir gerade erleben“, betont Becker. „Wir hier im Institut arbeiten schon seit vielen Jahren mit Viren, die Pandemien auslösen können.“ Dieses Wissen kann bei künftigen Ausbrüchen von höchster Wichtigkeit sein. Als i-Tüpfelchen zum Schluss der Simulation gibt es jeweils eine Pressekonferenz, die Schüler und Schülerinnen werden dann von der Presse zu ihrer Forschung und ihren Ergebnissen befragt. Einige Schüler, erzählt Becker nicht ohne Stolz, haben so den Weg in die Biologie, Humanbiologie und Virologie gefunden: „Hier können die Schülerinnen und Schüler die Relevanz der Arbeit mit Viren sehr deutlich miterleben. Heute ist das leider in aller Munde.“

Das Institut für Virologie in Marburg bietet für eine solche Forschung die allerbesten Voraussetzungen. Prof. Dr. Becker, der auch Sprecher des LOEWE-Zentrums DRUID ist, begründet: „Wir machen nicht nur Grundlagenforschung, sondern wir entwickeln Impfstoffe und antivirale Medikamente hier am Institut für Virologie.“ Dies geschieht in einem Zusammenschluss verschiedener Institutionen in Deutschland. Hier werden zum Beispiel Impfstoffplattformen entwickelt und erforscht, die die Grundlage für Impfstoffe gegen neue Viren bilden. So kann bei neuen Viren auf bereits bekannte Impfstoffe zurückgegriffen und diese weiterentwickelt werden, was schneller zu einem effektiven Impfstoff führen kann. Eine ungemein wichtige Arbeit angesichts der rasend schnellen Ausbreitung, die wir gerade bei COVID-19 sehen!

Doch Viren sind nicht nur die Biester, die uns Menschen krank machen, betont Prof. Dr. Becker: „Möglicherweise halten Viren unser Immunsystem auf Trab. Viren triggern auch Entwicklungsschritte bei Säugetieren.“ Das Humangenom enthält außerdem ca. 15 % virales Material. Und zu guter Letzt sind Viren dringend erforderlich für das Klima. „Die Algenblüte zum Beispiel wird durch Viren kontrolliert und reguliert. Der Algenteppich fällt bei einer Virusinfektion zusammen, alles sinkt zu Boden und fixiert Kohlen- und Stickstoff. Und auch unsere Darmbakterien werden durch Viren kontrolliert.“

Eine sinnvolle Arbeit mit höchst spannenden Partikeln in einem der wenigen und der besten Hochsicherheitslabors in ganz Deutschland – Marburg hat einiges zu bieten!

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