Ein Faible für fiese Viecher - 2

Justus-Liebig-Universität Gießen

Die AG Schistosomen an der Justus-Liebig-Universität in Gießen

Um bei der Schistosomenforschung weiterzukommen sind enge Kooperation zwischen den Forschern Normalität. So testen regelmäßig Studierende der AG Prof. Schlitzer aus Marburg neu entwickelte Substanzen an den Würmern von Prof. Christoph Grevelding und seinen Kollegen. Mandy Beutler gehört seit Februar zum Team aus Gießen. „Ich fand Parasiten schon immer spannend, daher habe ich mich nach meinem Biostudium an der TU Dresden direkt hier beworben“, erklärt sie. Was sie so fasziniert? „Die Tricks, mit denen Organismen Strategien entwickeln, um andere Lebewesen zu befallen und auszunutzen.“ Und davon scheinen die Schistosomen jede Menge zu haben. Denn bisher sind alle Versuche fehlgeschlagen, eine Impfung gegen die Erkrankung zu entwickeln.

Mandy und ihre Kollegen gehen genau diesen Besonderheiten auf den Grund. „Ich kloniere ausgewählte Gene, die charakterisiert werden, um ihrer Bedeutung als mögliche Ziele neuer Wirkstoffe näher zu kommen“, erklärt Mandy. Ihr Ziel: Ein Target, an dem ein möglicher Wirkstoff  angreifen kann. „Derartige Wirkstoffkandidaten können dann in vitro, also in der Kulturschale, direkt an lebenden Würmern ausgetestet werden“. Doch nicht nur die ausgewachsenen Saugwürmer, sondern auch die Zerkarien sind Teil der Grundlagenforschung in Gießen. Und die sind nicht einfach zu züchten. Das liegt an dem komplexen Lebenszyklus des Parasiten, der eine Phase außerhalb des Menschen umfasst. Denn gelangen Eier aus dem Darm eines Menschen ins Wasser zurück,  schlüpfen zunächst sogenannte Wimpernlarven aus den Eiern. Diese suchen  bestimmte tropische Süßwasserschnecken als Zwischenwirte auf, in die sie eindringen, um dort asexuell zur nächsten Entwicklungsstufe zu gelangen. So entstehen aus einer einzigen Larve mehrere Tausend Zerkarien, die das infektiöse Stadium dieses Parasiten darstellen.

Schleckermäulchen im Aquarium
„Ohne Schnecke, keine Zerkarien“, erklärt Christoph Grevelding lächelnd und öffnet einen Wandschrank in einem unscheinbaren Raum des Biomedizinischen Forschungszentrums Seltersberg (BFS), in dem die AG Schistosomen ihren Sitz hat. Rund 20 kleine Aquarien mit tropisch warmem Wasser befinden sich hier, in jedem leben mehrere Süßwasserschnecken. Und die müssen gehegt und gepflegt werden: Vvor allem Salatgurken“ stehen auf einer Einkaufsliste neben dem Wandschrank. Greveldings Schnecken haben besonders darauf Lust, und so stecken Gurkenscheiben auf kleinen Spießen im Aquarium, über die sich die Schnecken hermachen.  Mit einer orangefarbenen Pinzette angelt sich der Forscher zielsicher eine der kleinen Bewohner und legt sie in eine Petrischale mit Wasser. Mit einer kleinen Lampe beleuchtet er sie. „Dieser Lichtreiz bringt die infektiösen Larvenstadien (die Zerkarien) unseres Parasiten dazu, aus der Schnecke  ins umgebende Wasser auszuwandern“, so Grevelding. Mit einer Pipette zieht er daher dieses Wasser ab und schaut es sich unter dem Mikroskop an.

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