Kleben hält! Trennende und Fügende Fertigungsverfahren - 3

Universität Kassel

Trennende und fügende Fertigungsverfahren sind eine Wissenschaft für sich. Denn wenn man beim Begriff „Schweißen“ an den Mann im ölfleckigen Overall denkt, der unter der Motorhaube steckt, liegt man damit zwar nicht ganz falsch, aber am Institut für Produktionstechnik und Logistik der Universität Kassel eben auch nicht richtig. Zwar geht es hier auch um Fahrzeugtechnik, aber statt eines klassischen Schweißbrenners werden hier innovative und nachhaltige Verfahren erforscht und angewendet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Holz als Baumaterial, zum Beispiel in der Autoindustrie. Aber auch die Medizintechnik, die Luft-, Raumfahrt oder der Schienenfahrzeugbau profitieren von den Forschungen unter Herrn Prof. Dr.Stefan Böhm. „Unser Portfolio ist sehr groß“, bestätigt Eugen Schumacher, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Schweißtechnik. „Wir haben hier alle Möglichkeiten - von konventionellen Schnellschweißverfahren über Pressschweißverfahren bis hin zu Sonderschweißverfahren, zu denen wir viel forschen. Das ist ein gutes Alleinstellungsmerkmal.“

Doch ist die große Bandbreite nicht das Einzige, was die Universität Kassel von anderen hervorhebt. Es geht auch um Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit. „Drei Fragen stellen sich immer wieder“, weiß Eugen Schumacher. „Ist es schweißbar? Was kostet es? Wie kriegen wir es in einem wirtschaftlichen Kontext reproduzierbar, damit wir auch wettbewerbsfähig sind.“ Und daran wird hier unter Hochdruck gearbeitet. Neben dem Schwerpunkt auf industriellen Bauteilen aus Naturfasern und vor allem aus Holz finden hier auch andere innovative Schweißtechniken ihre Anwendung. So stehen wir mit Eugen Schumacher und Herrn Prof. Böhm vor einer riesigen Maschine für Magnetisches Impulsschweißen. Sie ist das Herzstück des Fachgebiets. Hier werden die zu verschweißenden Materialien durch ein extrem starkes, hochfrequentes Magnetfeld auf bis zu 320 Meter pro Sekunde beschleunigt und zur Kollision gebracht. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können von dieser Technik profitieren, bei der zwar nur geringere Stückzahlen von Bauteilen produziert werden können, dies aber in wesentlich kürzerer Zeit und mit weit weniger Energieaufwand und Abfallprodukten als im herkömmlichen Massenverfahren. „In Kombination mit dem gesellschaftlich wachsenden Nachhaltigkeitsdenken und der ganzen Thematik rund um Mischbau und Elektromobilität gewinnt das Verfahren immer mehr an Attraktivität“, erklärt uns Schumacher. „Man braucht keinen Klebstoff, keinen Schweißzusatz, nix. Ich bin sehr überzeugt von diesem Verfahren. Ich denke, es wird sich flächig durchsetzen, weil es wirklich sehr wirtschaftlich ist.“

Innovation und Technik als Standortvorteil. Gibt es sonst noch etwas, was für Kassel spricht? Natürlich, schwärmt Prof. Böhm: „Kassel ist eine Reformuniversität! In Kassel sollte man studieren, weil nach wie vor der alte Geist der besten Bildungspotenziale unabhängig von der Herkunft aktiv ist, gepaart mit einer ganzen Menge hervorragender Leuchttürme der Wissenschaft, die neueste Technologie, neueste Projekte, neueste Ansätze zu uns nach Kassel gebracht haben!“ Die Universität Kassel blickt also zuversichtlich in die Zukunft: „Nächstes Jahr gibt es einen neuen Forschungsschwerpunkt, der sich mit den „17 Sustainable Development Goals“ beschäftigt. Deswegen sollte man auf jeden Fall nach Kassel kommen: Weil man hier wirklich alles, was Nachhaltigkeit angeht, in wirklich allen Fachbereichen kennenlernt!“ Dann lacht Prof. Böhm: „Und vor allen Dingen im Maschinenbau!“

Hier geht's zu Teil 1

Hier geht's zu Teil 2