Kleben hält! Trennende und Fügende Fertigungsverfahren - 2

Universität Kassel

Am Institut für Produktionstechnik und Logistik der Universität Kassel werden nicht nur Materialien zusammengebracht, sondern auch Menschen und Fachwissen, angefangen vom Maschinenbau, über die Wirtschaftswissenschaften bis hin zur Forstwirtschaft. Denn hier wird daran geforscht, wie verschiedene Materialien miteinander verschweißt oder verklebt werden können. Und um hier Trendsetter zu sein und bleiben zu können, bedarf es Innovation und Nachhaltigkeit. „Wir beschäftigen uns mit Holz als technischen Werkstoff. Das ist unsere Spezialität seit über zehn Jahren“, betont Prof. Dr. Stefan Böhm, Leiter des Fachbereichs Trennende und Fügende Fertigungsverfahren. „Wir benutzen Holz als technischen Werkstoff in unterschiedlichsten Anwendungen. Wir haben Kooperationen mit einem großen deutschen Automobilhersteller, mit einer Firma die Fahrzeugsystemmodule wie zum Beispiel große Türsegmente für Schienenfahrzeuge herstellt.“ Mittlerweile gibt es bundesweit viele Arbeitsgruppen, die sich mit Holz als Werkstoff beschäftigen. „Aber wir waren die ersten und sind auch führend!“

Kein Wunder, denn Holz liegt voll im Trend. Es ist leichter als Stahl, es ist nachwachsend, und es bindet CO2! „Und das reizt die Automobilhersteller momentan sehr“, erklärt Prof. Böhm. „Dadurch, dass wir Holz verwenden, das vorher CO2 gespeichert hat, haben wir eine negative Energiebilanz, und das kann man gegen andere Dinge aufrechnen!“ Er fährt fort: „Wir sind gerade dabei, ein komplettes Fahrzeugdach aus einem Holzwerkstoff zu bauen. Denn Holz hat ganz tolle Eigenschaften: Es ist zum Beispiel thermisch isolierend! Damit umgeht man einen aufwändigen Schritt in der Isolierung, damit das Fahrzeug im Sommer kühl und im Winter warm bleibt. Das muss sonst aufwändig mit einem Polymerstoff erreicht werden und das erreichen Sie mit Holz! Es hat beste Dämmungseigenschaften!“ 

Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde, und Prof. Böhm weiß: „Nichts ist nachhaltiger als der deutsche Forst! Der Begriff Nachhaltigkeit ist von einem Förster geprägt!“ Immer noch wächst mehr Holz nach, als geschlagen wird. Und in Kassel wird das optimal genutzt!

Doch nicht nur Holz steht hier im Fokus, sondern auch andere nachhaltige Verbindungsmaterialien. Dr. Moira Burnett ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und beschäftigt sich mit natürlichen Klebstoffen. „Unser neues Projekt riecht nach Heu“, lacht sie. „Das ist Restbiomasse, die als Tierfutter verwendet wird. Unsere Idee war es, die Proteine daraus zu lösen und ein Klebstoff auf Proteinbasis herzustellen.“ Die Biomasse wird sowieso produziert, und wenn sie nicht als Futter verwendet wird, wird sie verbrannt. „Hier verlängern wir die Nutzdauer des Materials.“ Und die Forschung bleibt nicht bei Biomasse und Naturfasern. „Das hier ist sprühgetrocknetes Blut“, sagt Burnett und zeigt auf ein dunkles Material. „Wir produzieren in Deutschland ja Unmengen an Schweinefleisch, und da entsteht auch sehr viel Blut. Was macht man damit? Es wird luftgetrocknet und verbrannt. Im Blut sind aber noch sehr viele Proteine. Wir wollen aus Blut einen nachhaltigen Klebstoff auf Proteinbasis herstellen.“ Prof. Böhm ergänzt: „Das ist ein Rohstoff, der anfällt, und der wird einfach verbrannt. Und wir versuchen, das Beste draus zu machen.“

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