BAMP! – Bauen mit Papier - 2

Technische Universität Darmstadt

Nachhaltigkeit ist auch im Bauen ein großes Thema. Denn neue Nutzungsformen von Gebäuden bringen schnellere Veränderungen mit sich, was wiederum mehr Abfallprodukte bedeutet. So sind viele Gebäude heutzutage nicht mehr auf Nachhaltigkeit konzipiert, betont Dr.-Ing. Heinz-Joachim Schaffrath, Senior Researcher im physikalischen Labor und Koordinator des LOEWE-Schwerpunkts* „BAMP! – Bauen mit Papier“ an der TU Darmstadt: „In der modernen Arbeitswelt wird ein Bürogebäude gebaut, das ist nach zehn Jahren wieder veraltet, weil neue Kabel reinverlegt werden müssen, weil eine andere Technik und Technologie da ist und man sich dann irgendwie behilft. 50-jährige Haltbarkeit schafft durchaus auch Probleme – Warum darf’s nicht nur zehn Jahre halten?“

Doch nicht nur ein schnelleres Verfallsdatum spricht für das Bauen mit Papier. Denn Papier ist im Bau insgesamt ein sehr umweltfreundliches Material. „Über 50 % des Mülls, der in Deutschland entsteht, kommt aus dem Bau“, so Schaffrath. Und dabei fällt jede Menge Sondermüll an. Allein schon die herkömmlichen Poroton-Ziegel müssen beim Abriss eines Gebäudes speziell entsorgt werden, denn der Putz dafür ist Sondermüll. Im Projekt „BAMP! – Bauen mit Papier“ wird hingegen an einer völlig anderen Umweltverträglichkeit geforscht. Das beginnt beim Ziegel selbst, der vollständig aus Papier besteht und nur ein Viertel des Gewichts eines herkömmlichen Ziegels auf die Waage bringt. Damit senkt er den Treibstoffverbrauch im Transport immens. Weiterhin wird als Mörtel Papierpaste verwendet, die auch zu 100 % recyclebar ist.

Und die Kosten? Das Material für einen Papierziegel ist in der Laborherstellung etwa so hoch wie ein Ziegel aus Stein insgesamt. Doch Heinz-Joachim Schaffrath betont: „Aber das war eben auf Labormaßstab, das heißt, wir haben da ein Kilogramm gebraucht oder sowas. Wenn Sie da Tonnen abnehmen, dann bekommen Sie da ganz andere Preise.“ Außerdem wird die Entsorgung günstiger, weil der Papierziegel kein Sondermüll mehr ist. Im Gesamtzyklus wäre der Papierziegel also heute schon günstiger als ein normaler Ziegel.

Außerdem bringt Papier alle Voraussetzungen für eine entsprechende Stabilität mit: „Das Papier brauchen Sie gar nicht behandeln, dass es die Festigkeit kriegt.“ Das sehe man schon an den Papierhockern, die auf jedem Kirchentag stehen, oder bei „Wetten, dass …“, wo Autos an Zeitungen aufgehängt werden. Chemisch behandelt muss es nur noch dort werden, wo es eine besondere Last zu tragen hat.

Nachhaltig ist auch der Masterstudiengang im Bereich Maschinenbau an der TU Darmstadt selbst: Wer hier studiert, sieht sich nicht nur einem vielfältigen, abwechslungsreichen und zukunftsträchtigen Gebiet gegenüber. Im Schnitt machen hier sechs Studierende pro Jahr einen Abschluss als Papieringenieur. Bei einer solch überschaubaren Zahl an Studierenden ist das Verhältnis zwischen ihnen, aber auch zu den Professoren sehr eng, was nur Vorteile bietet. So kann zum Beispiel problemlos auf die individuellen Interessen der Studierenden eingegangen werden.

Ein Alumni-Verein wiederum fördert das Studium und gibt einen Ausblick auf das vielfältige Arbeitsfeld. Bei den jährlichen Alumni-Treffen stellen sich auch die aktuell Studierenden vor und können so Verbindungen in die Industrie und die Forschung knüpfen.

„BAMP! – Bauen mit Papier“ ist also ein zukunftsträchtiges Projekt: für die Umwelt, für den Bau, aber auch für die Studierenden.

* In dem LOEWE-Schwerpunkt BAMP! arbeitet die TU Darmstadt mit den Projektpartnern Hochschule Darmstadt und Technische Hochschule Mittelhessen zusammen.

Weitere Informationen: https://impact.h-da.de/forschung/bamp-bauen-mit-papier/

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