Auf Zeitreise mit Wasserbären und Krallenträgern - 3

Universität Kassel

Das Fachgebiet Zoologie an der Universität Kassel

Auch komplexe 3D-Rekonstruktionen gehören inzwischen zum Repertoire vieler Teammitglieder der Kasseler Zoologie. So wie nebenan bei Mercedes Klein. Konzentriert blickt die blonde Studentin durch ihre großen runden Brillengläser auf ihren Monitor. Darauf lassen sich in blau und weiß verschiedene Strukturen vom Nervensystem und Gehirn erkennen. „Hier sind die Markstränge, dort der Antennentrakt und hier die Lippennerven“, erklärt sie mit hörbarer Begeisterung in ihrer Stimme. „Vieles bei den Stummelfüßern ist einfach noch nicht bekannt – und genau darum macht mir das so großen Spaß“, so Mercedes. Auch der Stammbaum der Tiere ist nicht gänzlich erforscht. Denn die Stummelfüßer gehören neben den Bärtierchen zu den nächsten Verwandten der Arthropoden oder Gliederfüßer, die an Artenreichtum und Vielfalt ihresgleichen auf der Welt suchen. Alle drei Tiergruppen haben sich vor mehr als 500 Millionen Jahren voneinander getrennt. Jede von ihnen hat es auf ihre eigene Art und Weise geschafft, bis heute zu überleben.

Die Überlebenskünstler
Die Ursachen für den evolutionären Erfolg der Bärtierchen untersucht beispielsweise Julian Reichelt in seiner Doktorarbeit. Die auch Wasserbären oder Tardigraden genannten Lebewesen kommen weltweit im Meer, Süßwasser oder feuchten Lebensräumen an Land vor. Selbst im Himalaya, in der Tiefsee und der Antarktis hat man sie bereits nachgewiesen. Das allein zeigt: Sie sind wahre Survival-Meister. „Bärtierchen können Temperaturextreme und Trockenperioden ebenso überstehen wie Sauerstoffmangel“, erklärt Julian seine Faszination. Selbst Proben aus der Antarktis, die 30 Jahre eingefroren in einem Labor verweilten, offenbarten nach dem Auftauen noch lebende Exemplare. „Und als einzig bekannte vielzellige Organismen haben sie selbst das Vakuum im Weltraum unbeschadet überstanden“, so Julian.

Der todesähnliche Zustand, in dem Wasserbären extreme Umweltbedingungen überdauern, wird Kryptobiose genannt. Über die Gründe für diese Kernkompetenz der Bärtierchen ist noch nicht viel bekannt. Umso wichtiger ist die Grundlagenforschung. In seiner Masterarbeit hat Julian bereits die Verteilung der Proteine in der Haut der kleinen Lebewesen untersucht. „Jetzt analysiere ich das Sehverhalten der Bärtierchen und schaue, wie sie auf verschiedene Wellenlängen des Lichts reagieren.“ Reingerutscht in die Forschungsgruppe ist er eher durch Zufall. Doch sein Ehrgeiz war schnell geweckt: „Gerade die vielen Herausforderungen, wenn man unbekanntes Terrain betritt, haben mich angestachelt“, erklärt er. Und genau dahin gehen die Kasseler Forscher jeden Tag ein Stückchen mehr.

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