Zukunft gestalten, Wissen schützen - 2

Technische Universität Darmstadt

Beeindruckende Forschung an der TU Darmstadt für die vierte industrielle Revolution

Ein entscheidender Faktor in der Industrie 4.0 ist die eindeutige Zuordnung der einzelnen Bauteile in einer Produktionsanlage. „Wir markieren jedes Objekt mit RFID-Tags“, erklärt Doktorand Christian Steinmetz und hält einen kleinen Zylinderboden hoch. Im Laufe der einzelnen Herstellungsschritte werden alle Bauteile immer wieder gescannt und eine Fülle an Daten auf Servern gespeichert. Stimmte die Temperatur bei der Produktion? Sind die Abmessungen im Normbereich? Alles wird in der intelligenten Fabrik erfasst. Bei einem Defekt kann der Mitarbeiter mit Hilfe eines Tablets oder anderen mobilen Endgeräts auf diese Informationen zugreifen und der Ursache so schnellstmöglich auf den Grund gehen.


Mehr als Viren und Trojaner
Darauf aufbauend hat das DiK einiges vor: Die Fernwartung von Geräten oder ganzen Fabriken über das Internet. „Der Fabrikleiter könnte zum Beispiel aus Deutschland eine Anlage in Rumänien überprüfen, Fehler über eine 3D-Modellansicht erkennen und direkt beseitigen“, erklärt Christian mit stolzem Unterton in seiner Stimme. Wichtige Voraussetzung für solche vernetzten Prozesse ist ein zweiter Forschungsbereich: Die IT-Sicherheit und der Datenschutz. Denn Unternehmen sehen sich immer neuen und professionelleren Cyberattacken ausgesetzt. Längst sind es nicht mehr nur ‚schnöde Viren’ oder Trojaner, sondern gezielte Angriffe auf gesamte Industrieanlagen – mit dem Ziel, Zugriff auf Daten sowie wichtiges Know-how zu erlangen. Das Problem: Im Ernstfall können die Systeme nicht einfach heruntergefahren werden, denn schließlich müssen Fabriken heutzutage rund um die Uhr stabil funktionieren.


„Wir brauchen hierfür eine ganz neue Sicherheitskultur“, erklärt Prof. Reiner Anderl vom DiK. „Für die Industrie 4.0 spielen neben der IT-Sicherheit Kriterien wie Betriebssicherheit, Privatheit, und Wissensschutz eine wichtige Rolle.“ Unternehmen müssten dafür eine Bedrohungs- und Risikoanalyse durchführen und ein maßgeschneidertes Sicherheitskonzept aufbauen. Wie genau die passenden Methoden und Prozesse aussehen können, daran arbeiten die Wissenschaftler aus Darmstadt seit 2015 im Rahmen von IUNO, dem ‚Nationalen Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in der Industrie 4.0’. Natürlich nicht allein, sondern gemeinsam mit sieben Forschungseinrichtungen und Universitäten sowie hochkarätigen Partnern aus der Industrie wie Siemens, Bosch-Rexroth oder Infineon. Das Projekt wird im Forschungsrahmenprogramm der Bundesregierung über drei Jahre gefördert. Eines der Kernziele ist der Transfer der Erkenntnisse aus IUNO in die Industrie. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen sind verlässliche und bezahlbare IT-Sicherheitskonfigurationen in der globalisierten Wirtschaft wichtig und erfolgsentscheidend. Entsprechend finden bei den IUNO-Partnern regelmäßige Workshops für Vertreter dieser Unternehmen statt.

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In Kürze folgt Teil 3