Im Starkregenlabor - 1

Hochschule RheinMain

Tischtennisballgroße Hagelkörner, Sturzbäche im Wohngebiet, hunderte überflutete Keller in einer einzigen Gemeinde, Autos, die mitten in der Stadt bis unters Dach im Wasser versinken – die Bilder der letzten Tage und Wochen sind aufrüttelnd. „Starkregenereignisse“ nennen sich diese Phänomene, und sie scheinen immer häufiger aufzutreten. 

Ist das tatsächlich so? „Es gibt kein Bundesland, das sich nicht sehr stark um dieses Thema kümmert. Das ist ein Indiz dafür, dass sich was tut“, sagt Prof. Dr.-Ing. Ernesto Ruiz Rodriguez aus dem Bereich Wasserbau/Wasserwirtschaft im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen an der Hochschule RheinMain. Dort leitet er das Wasserbaulaboratorium und forscht zum Wetterphänomen Starkregen. „Wir haben uns vor mittlerweile sieben, acht Jahren des Themas Starkregen besonders angenommen“, erzählt er. Denn das Thema betrifft immer mehr Gemeinden. Dabei kann man keine wirklich genauen Voraussagen treffen: „Die Starkregenlotterie ist gleich für alle, man weiß nicht genau, wen es trifft.“ Er hält inne. „Aufgrund unserer Untersuchungen haben wir keine Prioritäten oder Gemeinden feststellen können, denen wir sagen könnten: Ach, ihr könnt beruhigt sein, euch passiert nichts.“

Keine schönen Aussichten, oder? „Die Starkregen kann man nicht verhindern“, sagt Prof. Dr. Ruiz Rodriguez. „Wir können ja keinen Regenschirm über den Gemeinden aufspannen.“ Aber man kann die Gemeinden und die Bürger*innen vorbereiten, indem die Bedrohungsszenarien aufgezeigt werden, mit denen man es zu tun hat. „Und dafür sind unsere kommunalen Fließpfadkarten und Starkregengefahrenkarten da!“ Diese Karten zeigen die Fließrichtungen von Starkregenfällen in einer Gemeinde an: Wo kommt das Wasser her, wohin fließt es, wo sind die baulichen Schwachstellen? Gebäude zum Beispiel, die an sogenannten Fließpfaden stehen, werden markiert. „Und dann können wir den Besitzer*innen sagen: Passt auf, ihr könntet betroffen sein! Schaut, dass ihr eure Kellerfenster von März bis September mit speziellen Verschlussorganen schützt. Die können sich vorbereiten!“

Überhaupt reichen oft schon kleinere bauliche Maßnahmen, um gegen Überflutungen im Gebäude gewappnet zu sein. „Man muss nicht gleich eine Mauer bauen“, sagt Manuel Perschke, seit Oktober 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Wasserbaulaboratorium. Beim Starkregenereignis im Juli 2014 standen auch Teile des Kurhauses Wiesbaden unter Wasser. „In der Tiefgarage standen damals ein paar Oldtimer drin, die sind alle abgesoffen“, berichtet Manuel. „Hätte man diese kleine Insel an der Einfahrt 10 Zentimeter höher gebaut, wäre da nichts reingeflossen.“ 

Es sind also oft kleine Maßnahmen, die genügen, um sein Eigentum vor Starkregen zu schützen. Damit die Bevölkerung aber über diese informiert wird, verrichten Prof. Dr. Ruiz Rodriguez und die AG „Starkregen und Sturzfluten“ an der Hochschule RheinMain wertvolle Forschungsarbeit.

In Kürze folgt Teil 2