Sprachwissenschaft

Philipps-Universität Marburg

Dem Ursprung der Sprache auf der Spur - Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg

Butzen, Griebs oder Strunk. Der Apfelkern ist ein beliebtes Beispiel, um dialektale Unterschiede zu verdeutlichen. Warum es diese regionalen Unterschiede gibt? Unter anderem das erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Marburger Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas.      
Zu den Prunkstücken mit Geltung weit über Marburg hinaus gehören die über 1.635 großformatigen Sprachkarten. Auf diesen verzeichnet: Über 52.000 Orte mit ihren regionaltypischen Dialekten. Damit überblicken die Dialektologinnen und Dialektologen der Philipps-Universität Marburg den Sprachwandel in Deutschland über mehrere hundert Jahre hinweg.
Und daran wird noch etwas deutlich: Sprache ist nicht nur Forschungsgegenstand von Sprachgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft. Sie ist ein urmenschliches Phänomen. Und als solches die Grundlage menschlicher Kultur und sozialen Handelns.
An der Philipps-Universität haben Sprachwissenschaft und Sprachgeschichte seit bald 150 Jahren eine feste Heimat. Die Erforschung von Syntax, Semantik, Grammatik, aber auch Sprachentwicklung und Literatur begann hier bereits 1876. Bis heute zählen Linguistik und Sprachgeschichte zu den Marburger Forschungsschwerpunkten.
Ein Beispiel interdisziplinärer Forschung „Made in Marburg“: Alte und neue Bereiche der Sprachwissenschaft arbeiten eng zusammen. Zur Dialektforschung sind die theoretische Linguistik, die quantitative-, neuro- und klinische Linguistik sowie die Sprachtypologie hinzugekommen. Sie wollen unter anderem erklären, was in den tausenden verschiedenen Sprachen, die sich zudem ständig wandeln, gleich ist. Sie fragen nach der Funktionsweise und Organisation des menschlichen Gehirns beim Spracherwerb. Sie fragen aber auch danach, was die Basis von Sprache als den Menschen auszeichnende Fähigkeit darstellt. Dazu gehört die Analyse von Silben bis hin zu ganzen Wörtern ebenso wie die Untersuchung der Geschichte der Sprachen – über mehrere tausend Jahre hinweg.
Diesem Konzept der gelebten Interdisziplinarität soll auch der Neubau für den Deutschen Sprachatlas in der Marburger Innenstadt Ausdruck verleihen. Dessen Räume und Infrastruktur sind nicht nur auf dem neuesten Stand der Technik. Sie sind auch auf den Austausch ausgerichtet; zwischen einzelnen Personen und Forschungsgruppen über Disziplin-Grenzen hinweg. Und nicht zuletzt auch auf den Dialog mit der an Sprache interessierten Marburger Bevölkerung.
Damit leisten die Marburger Forscherinnen und Forscher auch in Zukunft einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis von Sprache und deren Wandel.