Musizieren und Komponieren mit Kontrollverlust - 3

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

Visualisierte Musik - Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main

Dreißig Sekunden, bevor die Generalprobe zur Interpretation des Stückes „Die Soldaten“ frei nach Bernd Alois Zimmermann hier in der Wartburg beginnt, herrscht gebannte Stille. Die Musikstudenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt werden hier an dieser Spielstätte des Staatstheaters Wiesbaden live zu Videosequenzen improvisieren, die von Mainzer Studenten der University of Applied Sciences in den Saal projiziert werden. Und auch Studenten des Studienganges „zeitgenössische Komposition“ sind mit von der Partie und werden kurze Versatzstücke der Musiker live aufgreifen, transformieren und wiedergeben. Ein zugegeben waghalsiges Bestreben, das die musikalische Perspektiven der Musiker und Komponisitions-Studenten ordentlich durcheinander wirbeln soll, wie uns Professor Finnendahl von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt berichtet.

Das Stück, das hier aufgeführt werden soll, folgt dem Projekt „Virtuelle Musik“ - einer interdisziplinären Zusammenarbeit, die bereits vor 10 Jahren von Professor für Musiktheorie an der HfMDK Ernst August Klötzke ins Leben gerufen wurde: „Entstanden ist das Projekt eigentlich aus einer Not heraus. Ich hatte eine Lücke im Etat und eine Position, die ich besetzen musste, da kam mir die Idee dieser Reihe“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Aber auch für die Studenten sei die Arbeit an einem echten Theater ein Gewinn: „Sehen Sie, die Hochschule ist ja immer auch ein ein Schutzraum. Die Kritik der sich die Studenten auf einer Hochschule stellen, ist immer nur die Kritik der Lehrenden und der Kommilitonen. Hier am Staatstheater wird dieser Schutzraum aufgebrochen und die Studenten stellen sich einem echten und anspruchsvollen Publikum. Wenn es dem Publikum nicht gefällt, dann äußert es das.“  Das Stück „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann ist nicht wirklich einfach, wie Professor Klötzke zugibt: „Das Stück ist wirklich schwierig und komplex und es trauen sich leider wirklich nur die großen Häuser heran, was sehr schade ist. Zimmermann selbst hat ja immer mit unterschiedlichen Elementen gearbeitet, mit Improvisation, mit Elementen von Jazz, sehr avancierte, kompositorische Methoden. Die Frage, die wir uns gestellt haben ist, wie gehen wir heute mit solch einem Stoff um, der so unglaublich brutal ist."

Brutal ist die Aufführung dann allerdings nicht, dafür aber wirklich aufwühlend und mitreissend. Ein Fest für die Sinne, welches mit Sicherheit nicht nur die musikalischen Perspektiven der Studenten verändert.

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