Musizieren und Komponieren mit Kontrollverlust - 2

Hochschule für Musik und Darstellende Kunst

Visualisierte Musik - Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main

Was Orm Finnendahl, Professor für Komposition an der HfMDK, mir da über das Projekt „Visualisierte Musik“ erzählt hat, klingt mehr als spannend: Hier in der Wartburg - einer der Spielstätten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden - laufen Videosequenzen, zu denen Musiker live improvisieren, und Kompositions-Studenten nehmen dann  - ebenfalls live - kurze Sequenzen der Musiker auf, modulieren sie - ohne wirkliche Kontrolle - und geben sie dann wieder. Und das alles live und ohne doppelten Boden. Sogar vor Publikum. Ich unterhalte mich mit Professor Finnendahl über seinen Studiengang „Komposition“ und bin überrascht, dass gerade mal 15 Studenten momentan den Studiengang absolvieren. „Der Vorteil ist, dass ich wirklich auf jeden einzelnen Studenten individuell eingehen kann. Die Aufnahmeprüfungen sind nicht wirklich leicht und ich suche mir meine Klasse schon gezielt aus. Ziel des Studiengangs ist, dass die Studenten ihre eigene musikalische Sprache und Ausdrucksform finden sollen. Ich möchte ihnen den Blick zur zeitgenössischen Musik öffnen und herausfinden, worauf sie am stärksten reagieren und ihre eigene Resonanz finden. Das Projekt „Visualisierte Musik“ ist dafür ein toller Baustein, da er die Hörhaltung der Studenten verändert.“

Als ich später in der Generalprobe gespannt zuhöre und die Videosequenzen zusammen mit der Musik auf mich wirken lasse, merke ich deutlich, wie mich das Stück mitnimmt und sich auch meine Hörhaltung verändert. Professor Finnendahl fügt an:  „Wenn die Klänge etwas mit dem Hörer machen, ist das schon wunderbar. Zeitgenössische Musik sollte im besten Falle den Zeitraum reflektieren, in der sie erzeugt wurde. Was unsere Zeit von allen anderen Zeiten unterscheidet, ist das Eindringen von Technologie in jede Faser unseres Lebens.“ Wenn es eines gibt, was man über die Interpretation des Stückes „Die Soldaten“ hier in der Wartburg mit Fug und Recht sagen kann, dann, dass Technologie und Musik hier auf wundervolle Weise kombiniert wird.

Hier geht's zu Teil 1

Hier geht's zu Teil 3