Eine besondere Sammlung jüdischer Schriften - 2

Goethe-Universität Frankfurt

Eine Bibliothek, so heißt es, muss sein wie ein gutsitzender Schuh: Man spürt ihn nicht. Gerade digitale Bestände sollen einfach per Klick erreichbar sein – barrierefrei, vollständig erhalten und Tag und Nacht abrufbar. „Keiner fragt: Warum finde ich dieses Buch?“, sagt Dr. Kerstin von der Krone, Leiterin der Judaica- und Hebraica-Sammlung der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main. Und sie ergänzt: „Sie finden es, weil jemand sehr viel Arbeit investiert hat.“ Für die digitalen Sammlungen unterstützen diese Arbeit unter anderem Sonay Aydogdu und Leo Ries. Aydogdu studiert Deutsch, Politik- und Wirtschaftswissenschaft auf Lehramt, Ries ist Masterstudent in Soziologie. Beide kamen über Umwege zur Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek. Aydogdu befasst sich schon seit ihrer Schulzeit mit der jüdischen Geschichte und hat in ihrem Lehramtsstudium bildungswissenschaftliche Seminare über Antisemitismus belegt. „Wenn ich Lehrerin werde, ist es mir wichtig, mit jungen Leuten zu arbeiten und sie für solche Themen zu sensibilisieren“, betont sie. Ries hat auch schon seine Bachelorarbeit über Antisemitismus hier in Frankfurt geschrieben und ist nicht zuletzt wegen dem Geist der Frankfurter Schule geblieben. Er arbeitet seit zweieinhalb Jahren als studentische Hilfskraft für die Judaica Sammlung mit.

Die Aufbereitung der Digitalisate ist eine Herkulesaufgabe, der sich die beiden unter Anleitung von Ute Simeon, der zuständigen Mitarbeiterin der Judaica-Sammlung mit Begeisterung widmen. „Unter Umständen muss man bei einer Zeitschrift mehrere Tausend Scans nach bestimmten Kriterien strukturieren“, um eine Zeitschrift ihrer historischen Vorlage entsprechend zu rekonstruieren, erklärt uns Aydogdu. „Zuerst haben wir für eine Zeitschrift nur lose Scans. Unsere Aufgabe ist es dann, diese Zeitschrift in Jahrgänge und dann in Hefte einzuteilen. Erst, wenn alle Scans nach Datum und Heftnummer strukturiert, mit Seitenzahlen versehen, wenn die Inhalte zusammengefasst und verlinkt sind, wird die Zeitschrift freigeschaltet. Damit ist sie für alle Welt einsehbar. „Uns ist es sehr wichtig, dass der Bestand vollständig online abrufbar ist. Nur wenige jüdische Zeitschriften sind heute noch vollständig in deutschen Bibliotheken zu finden.“

Leo Ries ist außerdem seit ungefähr einem Jahr dabei, eine Seite auf Wikisource zu erstellen, welche alle digital verfügbaren jüdischen Zeitungen und Zeitschriften auflistet: „Die Idee dieser Liste ist, abzubilden, was weltweit frei zugänglich ist.“ Dafür ist die wissenschaftliche Community dankbar: „Da heißt es dann: ‚Wir haben darauf gewartet, vielen Dank dafür, dass Sie das machen!‘“ Dieses Interesse bestätigt auch Dr. von der Krone: „Nehmen Sie das ‘Israelitische Familienblatt‘ aus Hamburg, das seit Jahren immer wieder angefragt wird. Mit Unterstützung des Jüdischen Museums Berlin digitalisieren wir gerade die Zeitschrift und können sie nächstes Jahr endlich bereitstellen. Hier reagieren wir auf Anfragen der Forschung.“ Die Arbeit für die wissenschaftliche Community mit den eigenen Interessen und Leidenschaften zu verknüpfen – die Judaica- und Hebraica-Sammlung der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main ist dafür der beste Ort!

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