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Hochschule Geisenheim University

Schwerpunkte Naturschutz und Freiraumplanung im Studium Landschaftsarchitektur an der Hochschule Geisenheim

Julian Boigenreif kniet am Fuß einer riesigen Hängebuche im Park Monrepos in Geisenheim. In seiner Hand hält er ein Gerät, das an einen Hochdruckreiniger erinnert. Die ‚Pistole‘ setzt er genau auf den Stamm. Auf Knopfdruck dringt eine lange dünne Nadel in das Holz und bohrt sich langsam durch den Baum. Dabei misst ein Sensor den mit der Holzdichte korrelierten Bohrwiderstand und überträgt ihn auf ein Messblatt, das Dr. Martin Leberecht akribisch begutachtet. „Wir können so überprüfen, ob Hohlräume im Baum vorhanden sind oder er von Fäulepilzen besiedelt ist“, erklärt der Dozent im Studienbereich Landschaftsarchitektur an der Hochschule Geisenheim. Solche Messungen sind wichtig, um Passanten im öffentlichen Raum rechtzeitig vor der Gefahr eines umstürzenden Baums zu bewahren. „Zudem geht es darum, die Lebensräume vieler Insekten und Vögel so lange wie möglich zu erhalten.“

Gemeinsam mit seinen Kommilitoninnen Ruth Bindewald und Rebecca Gohlke legt Julian im Anschluss einen Spanngurt um die Hängebuche, befestigt ein Messgerät und schlägt vorsichtig mit einem speziellen Hammer an den Baum. „Damit löse ich einen Impuls aus.“ Dieser wird über verschiedene Sensoren, die um den Stamm verteilt sind, aufgezeichnet und die Ergebnisse in ein zweidimensionales Bild verwandelt. Impulstomograph nennt sich dieses Gerät, das gemeinsam mit den vorherigen Werten Aufschluss über den Zustand des Baums gibt.

Studium selbst gestalten

Wahlübungen wie diese in Arboristik sind Bestandteil des Lehrplans in der Landschaftsarchitektur. So lässt sich das Studium nach eigenen Vorlieben und späteren Berufswünschen gestalten. Generell gibt es in Geisenheim drei Schwerpunkte: Garten- und Landschaftsbau, Freiraumplanung sowie Naturschutz und Landschaftsplanung. Ruth Bindewald hat Letzteres gewählt: „Ich wollte schon immer etwas lernen, bei dem ich mit Tieren und Pflanzen zu tun habe und viel draußen arbeite“, erzählt sie. Über Praktika kam sie schließlich zur Landschaftsarchitektur: „Die Kombination aus künstlerischem Arbeiten und Natur hat mir auf Anhieb gefallen.“ Und über mangelnde Zeit an der frischen Luft kann Ruth sich auch nicht beschweren: „Wir haben mal nachts bis ein Uhr Fledermäuse verhört und für die genaue Bestimmung versucht, die Tiere mit Netzen zu fangen, oder frühmorgens Vögel kartiert“, erinnert sie sich lächelnd an Exkursionen und einzelne Module. 

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