Auf der Lötstation nachts um halb drei - 3

Hochschule Darmstadt

Interactive Media Design auf dem Mediencampus Dieburg der Hochschule Darmstadt (h_da)

‚Urban’ entstand als großes Semesterprojekt zum Thema ‚Internet of Things’. „Wir haben uns in diesem Umfeld zunächst ein Problem gesucht und dann von groß nach klein skaliert“, erklärt Lisa Brand die Anfänge. Die Idee: Blinden Menschen dabei helfen, die Straße sicher zu überqueren – und das auch abseits von Ampeln mit Tonsignalen. Zunächst recherchieren Lisa Brand, Nina Hanselmann, Patrick Beck und Benjamin Faust das Thema grundlegend, bevor sie zum ‚Bodystorming’ nach Frankfurt ins DialogMuseum fuhren. Dort testeten sie, welche Herausforderungen man ohne Sehvermögen jeden Tag bewältigen muss. „Und wir haben viel mit Betroffenen geredet“, erklärt Lisa. „Das ging uns allen total nah, hat aber unglaublich geholfen.“

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr
Denn dadurch kristallisierte sich nach und nach das „System der simulierten Ampel“ heraus, das die Gruppe entwickelte. „Wir haben sogenannte Beacons in den Straßenlaternen angebracht“, erklärt Patrick und zeigt auf das Modell mit Grünstreifen, Straße, Menschen und Autos. Die Beacons befinden sich im Austausch untereinander und messen das Verkehrsaufkommen. Möchte ein Blinder – egal an welcher Stelle – nun die Fahrbahn überqueren, muss er sich zunächst quer zum Bordstein ausrichten. Dadurch löst er das System aus. Über ein unauffälliges Headset erhält er durch die Beacons genau dann ein akustisches Signal, sobald die Straße passierbar ist. „Wir haben unsere Idee zusammen mit einer blinden Frau getestet und das Konzept solange verbessert, bis es funktioniert“, erklärt Lisa stolz. Der Lohn: Urban heimste mehrere Preise ab, davon einen begehrten Talent Award der ThingsCon in Amsterdam.

Ob das System irgendwann einmal wirklich in den Städten zum Einsatz kommt, steht noch nicht fest. Wünschenswert wäre es. Schließlich gibt Urban den Menschen ein Stück Freiheit zurück. „Aktuell entwickeln wir unser Projekt weiter und testen, ob man es auch zur intelligenten Verkehrsführung in Städten einsetzen kann“, so Nina Hanselmann. Die Professoren unterstützen ihre Studierenden dabei, mit Agenturen und Entscheidern ins Gespräch zu kommen. Sei es über Wettbewerbe oder über spezielle Workshops und Veranstaltungen an der Hochschule. Auch das Thema Gründen und Entrepreneurship steht besonders am Ende des Studiums im Fokus. „Mit der richtigen Idee könnte ich mir vorstellen, mich später mal selbständig zu machen“, sagt Robin Bittlinger. Doch zunächst möchte er nach dem Abschluss irgendwo fest arbeiten. Die Möglichkeiten sind jedenfalls vielfältig: „Durch die konsequente Interdisziplinarität des praxisorientierten Studiengangs erwerben unsere Absolventinnen und Absolventen nicht nur ein begehrtes Portfolio an Kompetenzen,  sondern auch das Rüstzeug, immer wieder über den Tellerrand hinaus zu blicken“, sagt Prof. Andrea Krajewski. „Das macht sie besonders interessant für einen Arbeitsmarkt, auf dem innovative Prozesse, Dienstleistungen und Produkte entwickelt werden. Und das betrifft derzeit nahezu jede Branche.“

Letztlich geht es vor allem um eins: „Wie wir mit unserem Wissen Neues schaffen, das die Menschen fasziniert oder sie im Alltag unterstützt“, so Nina.

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