Gestresste Tomaten - 1

Goethe-Universität Frankfurt

Es ist ein typischer Novembertag. Die Luft ist feucht und kalt, der Himmel grau. Dort, wo man sonst die Skyline sehen würde, hängt eine dichte Nebelwand über Frankfurt. Robert Anton steht in dicker Jacke auf der Wiese, atmet die kalte Luft tief ein. “Hab ich nicht einen tollen Arbeitsplatz?”, schwärmt er. Dieser besondere Arbeitsplatz ist der Wissenschaftsgarten der Goethe-Universität am Standort Riedberg und Dipl. Ing. Robert Anton der Leiter der Freilandanlagen der Goethe-Universität und der Technische Leiter des Wissenschaftsgartens. Er blickt sich um. “Da hinten sind die drei Gewächshäuser, vor uns liegen der Arzneipflanzengarten, der Kalktrockenhang und die Glatthaferwiese. Daran anschließend der Eichenwald der Zukunft und der Buchenwald. Aber es ist erst die Hälfte fertig. Ein Garten braucht Zeit”. Alle Bereiche des 2014 neu eröffneten Wissenschaftsgarten dienen der Lehre und der Forschung in den Naturwissenschaften. Zu den Forschenden gehört Elena Früchtenicht, die gerade mit ihren Messgeräten im Eichenwald arbeitet. Sie ist Doktorandin und forscht im Arbeitskreis “Ökophysiologie der Pflanzen” zum Wasserhaushalt von Eichen. “Durch den Klimawandel und den hohen Wasserbedarf im Ballungsraum Rhein-Main wird es zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels kommen. Weil sie dann mit ihrer Pfahlwurzel nicht mehr ans Wasser kommt, kriegt die heimische Stieleiche ein echtes Problem”, erklärt sie. Um genaue Daten über die Eiche zu gewinnen, misst Elena Früchtenicht den Chlorophyllgehalt, zählt Blätter und wertet die Daten aus, welche das Saftfluss-Messgerät am Baum alle 15 Minuten liefert. In 100 Jahren wird es in süddeutschen Waldlandschaften zu trocken und warm für die heimischen Eichenarten. “Die Kurzsichtigkeit im Hinblick auf den Klimawandel ist frustrierend, es gilt heute Weichen zu stellen. Aber den meisten Menschen fehlt die Fähigkeit, 100 Jahre voraus zu denken”. Die Doktorandin mangelt es daran nicht, weshalb sie jetzt schon untersucht, wie mediterrane Eichen, die deutlich weniger Wasser benötigen, mit dem Klima in Deutschland zurecht kommen. Will man einen sanften waldbaulichen Übergang ermöglichen, müssten diese nämlich schon heute angepflanzt werden. Die Forschungen finden auf Versuchsflächen in Deutschland, Griechenland und Italien statt. “Hier im Wissenschaftsgarten haben wir perfekte Voraussetzungen für unsere Forschung und erfahren von den Gärtnern eine unglaubliche Unterstützung”, lobt Elena Früchtenicht. Und gibt Robert Anton noch einen Grund zur Freude.

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