Die Welt zu Gast bei Freunden - 3

Hochschule Darmstadt

Der Dauer des Osthang-Projekts ist eng mit der Bewerbung Darmstadts um den Titel des UNESCO-Weltkulturerbes verknüpft, da das aktuell von der Hochschule bespielte Gelände einem Besucherzentrum weichen soll. Der Realisierungswettbewerb startet bereits 2018, bis 2021 soll der Bau mit Gastronomie sowie Seminar- und Veranstaltungsräumen fertiggestellt sein. Die Entscheidung, ob die Künstlerkolonie Mathildenhöhe den Welterbe-Status erhält, wird für 2020 erwartet. Ein positiver Bescheid wäre gut für die Wirtschaft und die Tourismusbranche, da mit zwei Dritteln mehr in- und ausländischer Besucher der Mathildenhöhe zu rechnen wäre. Der Osthang in seiner jetzigen Form dürfte wohl kaum erhalten bleiben, im besten Fall wird er andernorts wieder aufgebaut. Aber dazu braucht es Kraft und Zeit. “Für mich war immer das tollste am Osthang, dass gerade das über Jahrzehnte andauernde Versagen des politischen Systems dazu geführt hat, dass hier Menschen ganz entspannt und mit nackten Füßen auf dem Boden stehen. Nicht geplant, nicht durchstilisiert, einfach ein freies und natürliches Gelände, auf dem sich alle wohlfühlen”, sagt Johannes Hohnholz, Student der Architektur im zweiten Semester. Er ist stolz darauf, was die Studierenden hier geschaffen haben. “Uns allen geht es darum, für echte Menschen einen echten Raum zu schaffen. Der muss nicht aus Beton sein, der muss nicht teuer sein, der muss nicht aus Glas sein und auch nicht aus Holz. Keep it simple. Es muss einfach ein Raum für Menschen sein.” Der zwischenmenschliche Austausch ist ihm besonders wichtig, denn was Kommunikation und Dialog bewirken können, hat er beim Architektur-Workshop mit Prof. Mike De Saldanha im Februar 2017 in Dubai persönlich erfahren. Nachdem am ersten Workshop-Tag Frauen und Männer wie in der arabischen Welt üblich räumlich getrennt voneinander teilnahmen, sorgten die deutschen Architekten dafür, dass die Studierenden zur besseren Zusammenarbeit in den Folgetagen in einem Raum gemeinsam lernten. Eine absolute Premiere an einer Hochschule in den Vereinigten Arabischen Emiraten. “Man kann vor einer Mauer stehen und sagen, sorry, ich komm nicht zu euch rüber. Aber die, die über die Mauer steigen und den Menschen auf der anderen Seite die Hand reichen, die verändern die Welt.” Solche Menschen trifft man am Osthang. Und es wäre wünschenswert, dass dieser sich als feste Größe für die Lehre und den Dialog, für Kultur und Architektur, für Weltenbürger und Freigeister etabliert.

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