Die Welt zu Gast bei Freunden - 2

Hochschule Darmstadt

“Drei Wochen Hardcore”: Was wie ein Songtitel der deutschen Dance-Band Scooter klingt, sind die Worte, welche die Architektur-Professorin Dipl.-Ing. Kerstin Schultz verwendet, um die Gründungsphase des Osthangs zu beschreiben. Initiiert wurde das Osthang Project im Jahr 2014 vom Darmstädter Architektursommer e.V. in Kooperation mit dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt. Das Gelände liegt in direkter Nachbarschaft zu den berühmten Jugendstil-Gebäuden, die womöglich in Zukunft zum Weltkulturerbe erklärt werden könnten.

Bis zum Engagement der Osthang-Gründer lag das Gelände 70 Jahre brach, nachdem die frühere Bebauung 1944 bei Luftangriffen zerstört worden war. Zwar wurde über eine Bebauung der 7000 Quadratmeter großen Fläche, welche die Mathildenhöhe mit dem Park Rosenhöhe verbindet, diskutiert, aber nie etwas entschieden. Bis eben zum Sommer 2014. “In drei Wochen haben acht internationale Expertenteams mit 60 Studierenden aus aller Welt fünf Gebäude gebaut. Wir hatten zudem 55 Wissenschaftler eingeladen, die Vorträge gehalten haben, die anderen haben gebaut, abends haben wir zusammen gekocht, zusammen gegessen und danach bis in die Nacht weiter diskutiert”, beschreibt Kerstin Schultz diese intensive und produktive Zeit. “Wir wollten aber nicht nur bauen und dabei glücklich sein, sondern das Projekt auch mit Inhalt füllen. Der Osthang ist für mich ein Experimentierfeld und ein optimaler Ort, um eine neue und gesellschaftlich relevante Vorstellung von gemeinsamem Leben, Arbeiten und Denken zu kreieren”. Mehr Vorstellung davon, wie der Osthang aussehen soll, hatten die Verantwortlichen damals auch nicht. “Wir konnten natürlich keinen Bauantrag einreichen, weil wir ja nicht wussten, wie das Ergebnis aussehen wird. Also haben eingereicht, was unserer Meinung nach rauskommt und natürlich kam etwas ganz anderes dabei raus”.

Unzufrieden war damals mit dem Ergebnis allerdings keiner. Ganz im Gegenteil. Nach drei Wochen intensiver Arbeit waren ein Küchenmodul, ein Workshop-Haus, eine Künstler-Residenz, ein Veranstaltungshaus , eine Bar und eine Brücke gebaut. Neben den Architekten nutzen auch Studierende aus den Bereichen Kunst, Design und experimentelles Bauen den Sommer über die neu entstandene Experimentierfläche zum kulturellen und fachlichen Austausch. In den Folgejahren kümmert sich eine kleine Gruppe engagierter Studierender um das Projekt “OHA Osthang”. Sie hält die Ursprungsidee des Geländes am Leben, veranstaltet Konzerte, Vorträge und Workshops und erweitert kontinuierlich die bestehenden Bauten.

Doch die Zeit des Osthangs ist begrenzt.

Hier geht's zu Teil 1

Hier geht's zu Teil 3