Die Welt zu Gast bei Freunden - 1

Hochschule Darmstadt

“Leute, euer Ansatz muss brutal rauskommen. Das darf nicht das Deutsche Museum von 1920, sondern muss das Museum von 2020 sein. Ich erwarte von euch etwas exorbitant Geiles”. Bei den Korrekturen klingt Prof. Dr. Mike de Saldanha als würde er die Studierenden anfeuern. Kein Wunder, er ist ein Fan von Kreativität, von Individualität und großen Visionen. All das bündelt sich an einem Ort, an dem das Motto der Fußball-WM 2006, ‘Die Welt zu Gast bei Freunden’,Wirklichkeit geworden zu sein scheint und an dem der Professor der Architektur unterrichtet: unter Bäumen, es weht ein laues Lüftchen, die Sonne glitzert durch die Blätter, es sind sommerliche 35 Grad. Wenn gerade niemand spricht, kann man die Vögel zwitschern hören. Das kommt aber selten vor, denn hier wird meist lebhaft diskutiert. “Der Osthang ist wie eine internationale Summer University”, erläutert Professor de Saldanha, der neben seiner Lehrtätigkeit auch Auslandsbeauftragter des Fachbereichs ist. “Hier treffen sich nicht nur Architekten, sondern auch Mathematiker oder Chemiker und tauschen sich zu Architektur oder ökologischen Themen aus. Zur Themenvielfalt kommt die kulturelle Diversität der Studierenden; Gaststudierende erarbeiten zusammen mit deutschen Studierenden ein Projekt und das sorgt hier für einen ganz besonderen Spirit.” Aber es ist nicht nur die Internationalität, die für die Entfaltung von Freigeistigkeit am Osthang sorgt. Es sind auch Lehrende wie Prof. Mike de Saldanha, die zwar hohe Anforderungen an die Studierenden stellen, gleichzeitig aber Herzlichkeit verströmen und einen freundschaftlichen Umgang pflegen. Und konventionelle Ansätze durch neue Ideen ersetzen - wie bei der Prüfung im Fach ‘Mensch und Umwelt’. “Prüfung, dieses Wort klingt erstmal nach allem, nur nicht nach etwas Positivem”, sagt Prof. de Saldanha. Statt klassischer Prüfung stellte er folgende Aufgabe: “Erschafft einen Beitrag, der Architektur, Kunst und Gestaltung vereint, um die Welt ein bisschen besser zu machen.” Das Projekt nannten die Studierenden “Bauen statt Bomben”: Etwa 40 Gruppen hatten zum Thema am Osthang unterschiedliche Pavillons und Stände auf jeweils neun Quadratmetern Fläche gestaltet. Die meisten hatten das Ziel, innere Barrieren und Konflikte interkultureller Art zu überwinden und sich offenherzig zu begegnen. Der Erlös der Veranstaltung, 4000 Euro, kam zudem der Organisation “Terre des hommes” zugute, um Kindern in Not zu helfen.

Doch wie entstand der Ort auf der Ostseite der Mathildenhöhe überhaupt?

In Kürze folgt Teil 2