Von der Umwelt lernen und profitieren - 3

Technische Hochschule Mittelhessen

Das Kompetenzzentrum für Energie- und Umweltsystemtechnik (ZEuUS) an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM)


Einen Raum weiter öffnet Alessa Stelz gerade den Kühlschrank, um sich frischen Müll zu angeln. „Wir holen rund alle zwei Monate Bioabfall vom Stadtreinigungsamt Gießen, häckseln ihn und lagern ihn hier.“ Mit diesen Abfällen ‚füttert‘ Alessa nebenan einen kleinen Biogas-Reaktor. Das Besondere: Die Anlage ist im Vergleich zu herkömmlichen Modellen ständig in Bewegung und durchmischt die Abfälle, vergleichbar etwa mit einer Betonmischmaschine. Dadurch soll letztlich mehr Gas gewonnen werden. Genau das wollen die Forscher anhand von Vergleichsdaten beweisen. Zudem gibt es einen weiteren Vorteil. „In den gängigen Fermentern ‚mischen‘ Rührwerke das Material oder es wird in sogenannten Gaeragenverfahren mit Flüssigkeit durchrieselt“, erklärt Thomas Luthardt-Behle, Mitarbeiter am ZEuUS. Rührreaktoren sind jedoch sehr anfällig für Verschleiß und damit im Unterhalt teurer als die Konstruktion im ZEuUS, die von außen gewartet werden kann. Als Vorbild für den eher kleinen Reaktor im Labor diente eine rund 30 Meter lange Variante, die das Ingenieurbüro Dr. Geipert gemeinsam mit der Kompostierungsanlage Brunnenhof in Biebesheim und zusammen mit Forschern des ZEuUS in einem LOEWE-Projekt entwickelt haben.

Nichts für empfindliche Nasen
Alessa ist seit rund einem Jahr Wissenschaftliche Hilfskraft am ZEuUS und wird demnächst ihre Bachelorarbeit im Fach Bauingenieurwesen bei Prof. Dr. Ulf Theilen beginnen. „Ich mache eine Erhebung für ganz Deutschland über die Größe der vorhandenen Biogasanlagen, die Art der angewandten Verfahrenstechnik, aber auch den jeweiligen Umgang mit dem Output“, sagt sie. Das Problem: Aktuell dienen die nährstoffreichen Reste vor allem zur Düngung von Äckern und Feldern. Das dürfte bald aufgrund niedrigerer Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe nicht mehr möglich sein, insbesondere in Hessen mit den zahlreichen Wasserschutzgebieten. Genau daran arbeiten die Forscher am ZEuUS aktuell – und Thomas und Alessa sind mittendrin. „Wir müssen also schauen, wie man vor allem Phosphat und Stickstoff aus dem ausgefaulten Bioabfall herausbekommt“, so Alessa.

Mit ihrer Begeisterung für den Bereich Biogas ist Alessa eher die Ausnahme. „Sobald Studierende mit Bioabfall in Berührung kommen, hat sich das Thema leider oft schnell erledigt“, so Sabrina Eichenauer vom ZEuUS. Denn für empfindliche Menschen sind die Ausdünstungen aus dem Reaktor nichts. „Ich komm vom Bauernhof – für mich stinkt das hier überhaupt nicht“, sagt Alessa. „Zudem finde ich das Thema total spannend und hätte Lust, auch später im Bereich Abwasser oder Biogas zu arbeiten.“ Dass Freunde hin und wieder im wahrsten Sinne die Nasen rümpfen, wenn sie von ihrer Forschung erzählt, stört sie nicht: „Wenn ich denen das erkläre, sind sie zumindest sehr interessiert“, sagt sie. Und mit einem breiten Grinsen fügt sie hinzu: „Machen will es trotzdem keiner“. Im Gegensatz zu ihr. „Gerade durch die Gesetzesänderungen ergeben sich tolle Forschungsmöglichkeiten.“

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