Mit Einzellern die Welt verändern - 3

Goethe-Universität Frankfurt

Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik an der Goethe-Universität Frankfurt

Die Chancen auf eine Beschäftigung seien jedenfalls gut für seine Absolventen, sagt Prof. Volker Müller. „Die Studierenden sind hier wirklich am Puls der Zeit und betreiben eine stark anwendungsorientierte Forschung bei uns – daher sind sie nach ihrem Abschluss hochqualifiziert für viele Bereiche der Industrie.“ Für die industrielle Anwendung dieser Bakterien ist ihm in diesem Jahr ein sehr prestigeträchtiger Preis des European Research Councils verliehen worden. Zudem leitet Müller aktuell ein großes EU-Projekt und ist Projektleiter in anderen EU-Projekten, in die auch viele namhafte Unternehmen involviert sind. Entsprechend können die Studierenden so bereits im Vorfeld gute Kontakte knüpfen, einige haben schon spannende Praktika bei den Partnern absolviert.

Eine Wohnung im Feuerlöscher
Doch die meisten der Studierenden streben erstmal einen Doktortitel an: „Das ist inzwischen meist Standard für viele Jobs“, sagt Michelle Kuntz. An ihrem Arbeitsplatz steht ein knallroter Feuerlöscher, beziehungsweise ein halber. Denn er wurde umfunktioniert und dient nun als Heimat für A. woodii und andere Bakterienstämme. Kein Sauerstoff, völlige Dunkelheit – ein Paradies für die Einzeller. Michelle ist gerade mit einem kleinen Brenner beschäftigt und schaut sich aufmerksam Glasröhrchen mit einigen Proben an. In ihrer Masterarbeit untersucht Michelle die DNA-Aufnahme und Physiologie von einem anderen Bakterium, das sich bei 60 Grad, also einer deutlich höheren Temperatur wohlfühlt als Tümpelbewohner A. woodii

Ziel ist es, eines Tages mit den Bakterien aus Kohlendioxid zum Beispiel Butanol herzustellen – also einen hochwertigen biotechnologischen Treibstoff. „Ich habe mich schon immer für Naturwissenschaften interessiert und im Bachelor meine Liebe zur Mikrobiologie entdeckt“, sagt sie. „Dass so kleine Organismen so viel können, ist faszinierend.“ Die Begeisterung für ihre Arbeit im Labor an der Goethe-Universität ist Michelle ins Gesicht geschrieben: „CO₂ zu etwas Sinnvollem zu verwandeln, das dazu noch gut für die Natur ist – würde viele Probleme lösen“, sagt sie mit einem Leuchten in den Augen.

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