Mit Einzellern die Welt verändern - 2

Goethe-Universität Frankfurt

Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik an der Goethe-Universität Frankfurt

So hofft man in Müllers Arbeitskreis darauf, mit acetogenen Bakterien auch Butanol oder Kerosin erzeugen zu können. „Wir wollen den Stoffwechsel gentechnisch so verändern, dass wir letztlich alle Produkte erzeugen können, die wir Menschen derzeit aus Erdöl herstellen“, so Prof. Volker Müller. Doch das ist noch ein weiter Weg, an dem aktuell viele Doktoranden, aber auch Studierende mitwirken. Wie Vinca Seiler. Sie befindet in den letzten Zügen ihrer Laborarbeit für den Bachelor: „Ich erstelle eine Mutante von A. woodii und versuche, die Besonderheiten der Mutante  herauszufinden“, sagt sie und betrachtet sorgsam eine Petrischale mit Bakterienkolonien durch das dicke Schutzglas. Denn A. woodii muss besonders aufbewahrt werden. Sobald er in Kontakt mit Sauerstoff kommt, stirbt der Einzeller. Entsprechend muss Vinca ihre Versuche zum Großteil in einer sauerstofffreien, anoxischen Umgebung ausführen. Ihre Hände stecken in großen, etwas unförmigen Gummihandschuhen, mit denen sie im Glaskasten arbeiten kann, ohne dass Luft hineingelangt. Einfach ist das nicht, zumal sie filigrane Arbeiten ausführen muss wie das Picken von Bakterien mit Spritzen und das Verteilen im Flüssigmedium. „Ob diese Feinarbeit einem liegt, merkt man meist schon im Bachelorstudium“, sagt ihre Betreuerin Anja Wiechmann. „Man braucht dafür auch eine gewisse Frusttoleranz, nicht nur am Anfang.“


Ein Hoch auf Mutanten
Vinca weiß jetzt, dass sie es kann – ganz vorsichtig, aber sicher geht ihr das Hantieren in der anaeroben Umgebung des Kastens inzwischen von den Handschuhen. „Ich will meine Mutante vervielfältigen und das dauert jetzt ein paar Tage, bis ich weiß, ob das heute funktioniert hat“, sagt sie lächelnd. Bereits während des Studiums machte sie ein sechswöchiges Schnupperpraktikum im Arbeitskreis von Prof. Müller  und bewarb sich im Anschluss dort für eine Bachelorarbeit. Die Mikrobiologie war von Anfang an ihr Ziel. „Ich finde die Experimente einfach super-spannend – gerade das anaerobe Arbeiten bereitet mir große Freude.“


Das gilt auch für Mats Lechtenfeld, der hier aktuell an seiner Masterarbeit sitzt: „Dass man hier im anaeroben Bereich Versuche durchführen kann, ist ziemlich einmalig in Deutschland.“ Mats untersucht den Transport von Substraten und Produkten des Stoffwechselprozesses von A. woodii und die dafür kodierenden Gene. Dazu nimmt er regelmäßig Messungen mit radioaktiven Substanzen im Isotopenlabor vor. Kritisch beäugt er einen blauen Farbverlauf auf einer durchsichtigen Folie und analysiert die Ergebnisse mit einem Blick. „Es macht Riesenspaß, eigenständig im Labor zu arbeiten, selbst Versuche auszuführen und seine Arbeit im Tages- und Wochenverlauf planen zu dürfen – denn das macht man ja später in der Regel auch im Job.“

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