Eine Solaranlage zum Verweilen - 2

Universität Kassel

Architektur an der Universität Kassel

Über ein Jahr lief das Projekt insgesamt. Die Grundaufgabe war es, Energiegewinnung mit passiver Beschattung zu kombinieren und sie gleichzeitig funktional wie ästhetisch zu gestalten. „Im ersten Semester hatten wir 24 Studierende und haben ganz frei einen Blumenstrauß voller Ideen entwickelt, wobei es natürlich, als zweiten Schwerpunkt, immer gilt, daraus konkrete Architekturprojekte zu machen“, so Timo Carl. Und genau so vielseitig sieht auch die Werkstatt in der Kunsthochschule aus: An den Wänden hängen Fotos der verschiedenen Modelle, auf den Tafeln sind Detailzeichnungen zu sehen. In einem internen Wettbewerb kristallisierten sich zwei Konzepte heraus, von denen für Fassaden geeignete Bewegungsmuster weiterentwickelt wurden.

Gerade zum Schluss war vor allem viel Handarbeit gefragt: Auf den Tischen liegen noch Seile, Karabiner, Plastikhüllen und Holzformen sowie jede Menge verschiedener Schrauben, Klemmen und Hülsen. Und natürlich die hauchdünnen Solarzellen, das Herzstück des Projekts. Ohne diese sogenannten ‚Organischen Photovoltaikzellen’, kurz: OVPs, wäre eine solch filigrane Konstruktion wie das Solar Spline gar nicht möglich. Diese können heutzutage in einem bestimmten Druckverfahren in verschiedenen Größen und Farben geliefert werden – und das inklusive der Leiterbahnen. „Durch die Form und Formbarkeit sind sie natürlich gestalterisch sehr interessant“, weiß Markus Schein. In einem der Produktionsschritte bogen die Studierenden stundenlang Drähte zurecht, um damit die Paneele an den Stangen zu befestigen. Gerade in den letzten Tagen vor dem geplanten Aufbau waren Nachtschichten gefragt.

Aus Fehlern wird man klug
Die wären wahrscheinlich gar nicht notwendig gewesen. Doch aufgrund einer minimalen Abweichung bei der zuvor getesten Materialdicke gab es bei der Drahtbefestigung eine zu hohe Spannung. Entsprechend musste das Detail angepasst und jeder einzelne Draht per Hand umgebogen werden, über 100 Arbeitsstunden hat dieser Fehler gekostet: „Gerade, wenn man etwas in der Größenordnung wirklich real umsetzt, skaliert man auch alle Probleme“, so Architekturprofessor Frank Stepper.  ‚Research through making’ heißt das im Fachjargon. Oder anders ausgedrückt: „Seine eigenen Fehler machen zu können, gibt den größten Lerneffekt“, so Timo Carl.

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