An die Grenzen – und darüber hinaus - 1

Philipps-Universität Marburg

Abenteuer- und Erlebnispädagogik an der Philipps-Universität Marburg

13 Meter über dem Boden klettert Jessica Baumann über die Brüstung eines hölzernen Turms. Zunächst finden ihre Füße keinen Halt, doch dann bekommt sie die Zehenspitzen auf einen kleinen Sims. Dennoch kann man von unten ein leichtes Zittern in den Beinen erkennen. Doch ansonsten bleibt Jessica erstaunlich gelassen. Sie hakt die zweite Sicherung ein – und löst die erste. Was dann folgt, ist der Moment, auf den es heute ankommt. Der Schritt ins Nichts. Jessica zögert nur kurz, testet nochmal vorsichtig den Halt des Seils, dann hängt sie in der Luft und lässt sich geruhsam in Richtung Erde ab.


Die Einheit, die heute für Jessica und ihre neun Kommilitonen auf dem Lehrplan steht, gehört zur „Praxis des Wagens“ und ist Teil des Studiengangs in der „Abenteuer- und Erlebnispädagogik“ an der Philipps-Universität Marburg. Das Fach gibt es sowohl als eigenen Masterstudiengang oder aber als Zusatzqualifikation im Lehramt – ein in dieser Form deutschlandweit einmaliges Angebot. Die Masterabsolventen arbeiten später in vielen verschiedenen Bereichen – sei es angestellt als Freizeitpädagoge, in der Rehabilitation, bei Trägern der Kinder- und Jugendhilfe oder selbständig im Bereich von Outdoortrainings. Neben der Theorie, unter anderem in den Bereichen Anthropologie, Bildung und Pädagogik, ist die Selbsterfahrung ein zentraler Bestandteil in beiden Studiengängen. Ob Bergwandern, Kanufahren, Mountainbiken oder auch Stadtexkursionen – die Einbeziehung verschiedener (Natur-)räume ist den Verantwortlichen dabei ebenso wichtig wie die Gruppendynamik: „Heute geht es darum, partnerweise mit der belastenden Situation umzugehen und dabei natürlich auch für das Thema Sicherheit zu sensibilisieren“, erklärt Martin Lindner vom Institut für Sportwissenschaft und Motologie.


Ablenkung erwünscht
Martin Lindner erklärt den zehn heutigen Teilnehmern vorab ausführlich die Technik, um über ein großes Netz zunächst sicher auf den Turm und dann übers Abseilen wieder heil runter zu kommen. Aufmerksam hören die Studierenden zu, stellen Fragen. Martin Linder hängt sich ins Seil, zeigt, wo man die Karabiner einhakt und wie die Füße zu stellen sind. Die zunehmende Nervosität ist deutlich spürbar. Ein Witzchen hier, ein Spruch da – alles scheint recht, um sich von der bevorstehenden Aufgabe abzulenken. Und auch der Körper fordert schnell noch eine Auszeit, als gleich sechs Teilnehmer auf die Toilette wollen.

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